Ein Mann sitzt vor einer Bank in Madrid, die für die Klimakonferenz wirbt | Bildquelle: dpa

Weltklimakonferenz in Madrid "Müde Delegierte, müder Kompromiss"

Stand: 15.12.2019 15:52 Uhr

Nach zwei durchgearbeiteten Nächten haben sich die Teilnehmer des Klimagipfels auf einen Minimalkompromiss verständigt. Die Hoffnung richtet sich nun auf die nächste Konferenz 2020.

Von Jakob Mayr, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Es ist die Wiederholung einer schon beschlossenen Forderung: Der Gipfel in Madrid hat die Staaten aufgerufen, im kommenden Jahr ihre Ziele beim Klimaschutz zu verschärfen. Das war schon in der Klimavereinbarung von Paris 2015 angelegt; und die Klimakonferenz von Madrid bestätigte das - am Ende in deutlicheren Worten, als es der erste Entwurf der Abschlusserklärung vorgesehen hatte.

Es sei dringend nötig, die deutliche Lücke zwischen bisherigen Bemühungen und dem Ziel, die Erderwärmung deutlich unter zwei oder sogar bei 1,5 Grad zu halten, zu schließen. Die Regierungen sollten verstärkte Anstrengungen unternehmen, um die höchstmögliche Emissionsminderung zu erreichen.

UN-Klimakonferenz verschiebt konkrete Entscheidungen
tagesthemen 23:15 Uhr, 15.12.2019, Stefan Schaaf, ARD Madrid

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"Ein wenig mehr erwartet"

Karsten Sach, der nach der Abreise von Bundesumweltministerin Svenja Schulze die deutsche Delegation leitete, sagte, es seien "kleine Fortschritte" erzielt worden, aber: "Angesichts der Klimakrise, angesichts der Erwartungen, die wir aus der Zivilgesellschaft hören, angesichts dessen, was wir in Europa im 'European Green Deal' vorgeleistet haben, hätten wir uns natürlich ein wenig mehr erwartet."

Der "Green Deal" der EU-Kommission wurde vergangene Woche von den europäischen Staats- und Regierungschefs bestätigt, mit dem Ziel, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen - also nicht mehr klimaschädliche Treibhausgase auszustoßen als eingespart werden.

Einige Länder hätten beim Gipfel großen Widerstand organisiert, berichtet Christoph Bals von der Denkfabrik Germanwatch und nennt die USA, Brasilien und Australien. Dass es trotzdem gelungen sei, "zumindest ein deutliches Signal für mehr Ambition" im nächsten Jahr zu senden, sei zwar immerhin ein Fortschritt, aber reiche nicht, "um in einer Notstandssituation die nötige Dynamik" zu erzeugen.

Handel mit alten Zertifikaten verhindert

Außerdem beschloss der Klimagipfel trotz Verlängerung keine Regeln für Artikel 6 der Paris-Vereinbarung. Dieser erlaubt es Staaten und Unternehmen, mit Ausstoßgutschriften zu handeln. Die EU und Deutschland wollten dabei Doppelzählungen vermeiden und verhindern, dass Staaten alte Zertifikate aus der Zeit des weltweit ersten Klimavertrags von Kyoto in den Handel bringen. Genau das hatten Länder wie Brasilien, Indien und China vor.

Hier gab es keinen Konsens - ein Beschluss wurde auf den nächsten Gipfel in Glasgow verschoben. Er hoffe, dass man dann zu Regeln komme, die den Handel schneller machen und besser strukturieren, sagte ein EU-Unterhändler.

Kein neuer Fonds für Schadensausgleich

Im jahrelangen Streit um einen Ausgleich für Entwicklungsländer, die Schäden oder Verluste durch Stürme, Dürren und Überschwemmungen erleiden, gab es einen Kompromiss. Industriestaaten wiesen die Forderung nach einem eigenen Fonds ab, stattdessen verweist die Abschlusserklärung auf den schon bestehenden Grünen Klimafonds. Ein Vertreter kleiner Inselstaaten sagte dazu, es sei gut, dass es nun etwas vorangehe, nachdem man sich seit Jahrzehnten für das Thema einsetze.

Umweltverbände kritisieren die Beschlüsse als zu schwach. Martin Kaiser von Greenpeace meinte, die Übereinkunft zur Steigerung der Ambitionen sei "derart schwach, dass davon kein Land wie China, Indien oder Brasilien sich gezwungen fühlt, mehr zu tun beim Klimaschutz".

Ähnlich äußerte sich Michael Schäfer vom WWF. Er befand, die Beschlüsse seien "so müde wie die Delegierten es hier nach zwei durchgearbeiteten Nächten sind". Sie seien nicht das, was im Kampf gegen die Erderhitzung erforderlich sei. "Da wäre sehr viel mehr Ambition nötig."

Viele Unterhändler hatten tatsächlich zwei Tage und Nächte fast pausenlos durchgearbeitet. Der Gipfel in Madrid ist die bisher längste Klimakonferenz. Das Plenum war in der Nacht immer wieder verschoben worden. Gipfelpräsidentin Carolina Schmidt, die chilenische Umweltministerin, empfing Staatenvertreter zu Einzelgesprächen.

Aus Delegationen und Organisationen kam dennoch Kritik an ihrer Verhandlungsführung: Sie sei zu schwach und schlecht vorbereitet gewesen.

Klimakonferenz in Madrid geht nach Verlängerung zu Ende
Oliver Neuroth, ARD Madrid
15.12.2019 13:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Dezember 2019 um 11:45 Uhr.

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