Im ausgetrockneten FlussŸbett der Elbe bei Pirna (Sachsen) wächst eine Pflanze. (August 2015)

Weltklimakonferenz in Marrakesch Den "Geist von Paris" mit Leben erfüllen

Stand: 07.11.2016 02:43 Uhr

In Paris wurden die Ziele des Weltklimapaktes festgeschrieben - auf der UN-Klimakonferenz in Marrakesch soll nun deren Umsetzung ausgehandelt werden. Doch wie stabil ist der "Geist von Paris"? Könnte ihm etwa die Wahl in den USA einen Strich durch die Rechnung machen?

Stefan Ehlert, ARD-Studio Nordwestafrika

In den vergangenen Tagen war es nach dem Tod eines Fischverkäufers in mehreren Städten Marokkos zu Protesten gekommen. Die Menschen demonstrierten gegen die Willkür der Behörden in ihrem Land. Gestern zogen in der Hauptstadt Rabat erneut Tausende Teilnehmer einer Demonstration vor das Parlament. Auch in Marrakesch zogen die Proteste seit Anfang November die Aufmerksamkeit auf sich, die der Stadt und dem Land gerade zuteil wird. Denn Marrakesch ist Gastgeber der Weltklimakonferenz, die heute eröffnet wurde.

Doch von den Demonstrationen war auf dem streng abgeschirmten Gelände in Bab Ighli nichts zu hören und zu sehen. Seit gestern ist die Zeltstadt bezogen, von UN-Bürokraten, Klimadiplomaten, Aktivisten, Beobachtern und Wissenschaftlern. Die Konferenz soll das Pariser Klimaschutzabkommen mit Leben erfüllen und viele praktische Fragen klären.

Marokko, ein eher armes Land in Nordafrika, setzt große Hoffnungen auf diesen Gipfel, der möglichst ungestört verlaufen und den Blick der Welt auf Afrika und seine Klimaprobleme lenken soll.

Konferenz soll mehr "Action" bringen

An den Laternen rund um den Konferenzort Bab Ighli hängen rote Fahnen, darauf steht in verschiedenen Sprachen ein Wort: "Act" - was soviel bedeutet wie "Macht endlich was!". Marokko will beim Klimagipfel Ergebnisse sehen. Eine Stadt aus 55 Zelten wurde dafür aus dem Boden gestampft, für Tausende Delegierte, Beobachter und dazu noch 1000 Journalisten.

Marokkos Umweltministerin Hakima El Haite | Bildquelle: AP
galerie

"Action" - "Handeln": Das fordert auch Marokkos Umweltministerin Hakima El Haite.

In Paris hatte die Weltgemeinschaft vor einem Jahr beschlossen, die Erderwärmung in diesem Jahrhundert möglichst auf 1,5 bis zwei Grad zu begrenzen. Im Moment sagen Modelle der Klimaforscher weit höhere Werte voraus.

Marokkos Umweltministerin Hakima El Haite fordert deshalb, die Staaten müssten schneller und konsequenter den Ausstoß von Treibhausgasen bremsen. Mehr "Action" soll die Konferenz bringen, vielleicht kommt deshalb auch Arnold Schwarzenegger nach Marrakesch. Der Terminator und Ex-Gouverneur von Kalifornien gilt als Vorreiter in Sachen Klimaschutz.

Bislang Ratifizierung von 100 Staaten

Von Donald Trump, sollte er zum US-Präsidenten gewählt werden, erwarten manche Gipfelteilnehmer eher das Gegenteil - etwa Jan Kowalzig, der für die Hilfsorganisation Oxfam in Marrakesch dabei ist. Sollte sich Trump vom Klimapakt abwenden, würde ein Ausstieg zwar drei bis vier Jahre dauern, sagt Kowalzig, "aber politisch wäre das ein herber Rückschlag".

Ob sich der Geist von Paris, wie er hier beschworen wird, am Leben halten lässt, steht also noch nicht fest. Auch UN-Klimachefin Patricia Espinoza macht sich Sorgen, immerhin würden die Wahlen in den USA die ganze Welt beeinflussen. Aber: Mit Stand von gestern haben laut Espinoza 100 Staaten das Klimaabkommen von Paris ratifiziert. Im Interview mit der ARD sagte sie, die USA allein könnten die Dynamik des vereinbarten Klimaschutzes nicht stoppen.

Immer das gleiche Streitthema: Geld

In Marrakesch wird jetzt über das Kleingedruckte verhandelt: Über technische Fragen, wie denn die Beschlüsse von Paris umgesetzt werden sollen. Gestritten wird, wie meist auf Klimagipfeln, auch über Geld. Afrika fordert eine größere Scheibe vom Kuchen des Klimafonds: 100 Milliarden US-Dollar sollen ab 2020 jedes Jahr helfen, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen. Ihn zu verhindern, komme auf lange Sicht billiger, sagt Espinoza: "Untätigkeit wäre sehr viel teurer als den Wandel zu meistern."

Marokkos König scheint diese Meinung zu teilen. Er hat sein Land mit dem größten Solarkraftwerk der Welt zu einem afrikanischen Vorreiter der Energiewende gemacht. Mohammed VI. wird kommende Woche das High-Level-Segment des Gipfels eröffnen. Dann sollen die Vertragsstaaten des Pariser Abkommens ihre Klimaschutzpläne vorstellen. Möglicherweise ist dann auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks dabei.

Steht Deutschlands Klimaschutzplan 2050 noch diese Woche?

"Wir sind auf einem guten Weg", sagte Hendricks vor Beginn der Klimakonferenz. Die Stimmung habe sich gewandelt, jetzt heiße es von den Teilnehmern: "Es kann doch nicht sein, dass wir das nicht schaffen."

Und Deutschland hat vielleicht doch noch während der Konferenz einen Klimaschutzplan bis 2050. Nach langem Ringen könnte er in dieser Woche vom Kabinett abgesegnet und dann vor Gipfelende in Marrakesch vorgelegt werden. Dort kursieren Gerüchte: Vielleicht werde Bundeskanzlerin Angela Merkel sogar selbst nach Marrakesch fliegen. Der Geist von Paris ruft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. November 2016 um 04:48 Uhr.

Darstellung: