Abgestorbene Bäume an dem in weiten Teilen trockenen Speichersee Theewaterskloof in Südafrika | dpa

Kritik an Klimaplänen "Alarmstufe Rot für unseren Planeten"

Stand: 26.02.2021 16:21 Uhr

Eigentlich hätten alle Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens bis Ende 2020 ihre Pläne einreichen sollen - viele haben das aber schlicht nicht gemacht, andere Staaten setzen die Ziele sogar herunter. Die UN sind entsetzt.

Die aktualisierten Klimapläne der Vertragsstaaten des Pariser Abkommens bleiben bisher weit hinter den Erwartungen zurück. Das geht aus einem neuen Klimabericht der Vereinten Nationen hervor. "Im Moment ist es so, als würden wir blind in ein Minenfeld laufen", sagte die Generalsekretärin des UN-Klimasekretariats in Bonn, Patricia Espinsosa. UN-Generalsekretär António Guterres warnte: "Der heutige Zwischenbericht des UN-Klimasekretariats ist Alarmstufe Rot für unseren Planeten."

Im Pariser Klimaabkommen verpflichten sich zwar fast alle Staaten, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, besser auf 1,5 Grad zu begrenzen. Doch was das für jedes Land bedeutet, darf die entsprechende Regierung festlegen. Das Pariser Abkommen sieht vor, dass die Staaten ihre Pläne alle paar Jahre nach oben hin anpassen.

Frist verstreichen lassen

Heute veröffentlichten die UN eine Berechnung aufgrund der aktualisierten Klimapläne, die von den Vertragsstaaten bis Ende 2020 eingereicht werden mussten. Das haben aber nur 75 Länder getan, die insgesamt nur für 30 Prozent der globalen Treibhausemissionen verantwortlich sind. Andere ließen die Frist verstreichen.

Die Berechnung aufgrund der bisher vorliegenden Daten ergäbe den UN zufolge nur eine Verringerung des schädlichen CO2-Ausstoßes von einem Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2010. Nach Berechnungen des Weltklimarats wären für das 1,5-Grad-Ziel aber 45 Prozent und für das Zwei-Grad-Ziel 25 Prozent weniger Emissionen nötig.

Ambitioniertes Europa

Einige Staaten haben sich tatsächlich ambitioniertere Ziele gesetzt. Dazu gehören die Länder der Europäischen Union, Großbritannien, Norwegen, die Ukraine, Argentinien, Chile und Kenia. Andere Staaten wie die Schweiz, Japan, Südkorea, Russland, Australien und Neuseeland haben dagegen ihre vorigen Ziele von 2015 faktisch nicht erhöht. Brasilien ist sogar hinter seine früheren Zusagen zurückgefallen. Von den USA und China - den beiden Ländern mit dem größten CO2-Ausstoß - werden in den kommenden Wochen aktualisierte Pläne erwartet.

UN-Klimachefin Espinosa betonte, der derzeitige Bericht sei nur eine "Momentaufnahme, nicht das ganze Bild". Die Corona-Pandemie habe in manchen Fällen verhindert, dass die Pläne rechtzeitig eingereicht werden. Deshalb werde es vor dem nächsten Weltklimagipfel im November in Glasgow einen neuen Bericht geben. Dafür sei es wichtig, dass alle Länder, die ihre Ziele bisher noch nicht angepasst haben, dies jetzt so schnell wie möglich nachholten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Februar 2021 um 16:00 Uhr in den Nachrichten.