Greta Thunberg redet vor UN | REUTERS

Thunberg auf UN-Klimagipfel "Wie könnt ihr nur weiter wegschauen!"

Stand: 23.09.2019 19:18 Uhr

Die Klima-Aktivistin Thunberg hat sich mit einer emotionalen Rede an die Weltgemeinschaft gewandt. Sie warf den Regierungschef Versagen vor. Kanzlerin Merkel sagte, sie habe den Weckruf der Jugend gehört.

In einer emotionalen Rede beim Klimagipfel in New York hat die Aktivistin Greta Thunberg den Staats- und Regierungschefs mangelnde Handlungsbereitschaft vorgeworfen. "Wie konntet ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit euren leeren Worten?", fragte die 16-jährige Schwedin in ihrer Rede mit Tränen in den Augen. "Wie könnt ihr nur weiter wegschauen."

Thunberg warf den Politikern vor, sie seien immer noch nicht reif genug zu sagen, wie ernst die Lage sei. "Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum - wie könnt ihr es wagen?" Auf einer anschließend Pressekonferenz sagte sie, dass die Staats- und Regierungschefs der Welt dabei versagten, die Rechte der Kinder zu beschützen, indem sie weiter nichts gegen die Klimakrise unternehmen.

1,5 Milliarden Euro in den "Green Climate Fonds"

Unter den Zuhörern bei der Rede Thunbergs war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie sprach kurz nach dem Auftritt der jungen Schwedin. Die Staatengemeinschaft habe den Weckruf der Jugend gehört, sagte Merkel. Deutschland werde seine Mittel für den internationalen Kampf gegen den Klimawandel im Vergleich zu 2014 von zwei auf vier Milliarden Euro verdoppeln.

Davon sollten 1,5 Milliarden Euro in den "Green Climate Fonds" eingezahlt werden. Merkel bezeichnete es als Pflicht der Industriestaaten, als Hauptverursacher des Treibhausgaseffekts mit "Innovation, Technologie und Geld" die Erderwärmung zu bekämpfen. "Deutschland sieht seine Verantwortung international und national", sagte sie.

Kanzlerin Merkel sprach kurz nach deren Rede mit Greta Thunberg. | dpa

Kanzlerin Merkel sprach kurz nach deren Rede mit Greta Thunberg. Bild: dpa

Die Kanzlerin nutzte ihren Auftritt, die Eckpunkte des Klimapakets vorzustellen, auf die sich die Bundesregierung am Freitag geeinigt hatte. Bis 2030 wolle Deutschland 55 Prozent seiner CO2-Emissionen gegenüber 1990 einsparen, kündigte sie an. Um dieses Ziel einzuhalten, werde Deutschland bis zu 54 Milliarden Euro in umweltfreundliche Technologien und Mobilität investieren.

Die Rede Merkels wurde von Umwelt- und Entwicklungsverbänden scharf kritisiert. "Angela Merkels Rede war so überflüssig wie das CO2 ihres Atlantikflugs", erklärte der deutsche Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser. Auch der Deutsche Naturschutzring, Brot für die Welt, Oxfam und der BUND zeigten sich enttäuscht.

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Ursachen und Folgen des Klimawandels

Zusage zur  CO2-Neutralität bis 2050

UN-Generalsekretär António Guterres hatte zum UN-Klimagipfel in New York eingeladen, damit die internationale Gemeinschaft sich endlich ehrgeizigere Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung setzt. Schließlich hatte der Weltklimarat IPCC in seinem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel festgestellt, dass die Menschheit zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens spätestens ab dem Jahr 2050 weltweit netto keine klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen mehr produzieren darf.

Unmittelbar vor dem Gipfel veröffentlichte Guterres konkrete Zusagen der Teilnehmerstaaten. Danach verpflichten sich 66 Länder, zehn Regionen, 102 Städte und 93 Konzerne bis 2050 klimaneutral zu werden. Bei der CO2-Neutralität geht es darum, nicht mehr Kohlendioxid auszustoßen als gleichzeitig abgebaut oder gespeichert werden kann. Bundeskanzlerin Merkel hat dieses Ziel auch für Deutschland ausgerufen.

200 Millionen Euro für den Amazonas

Die Bundeskanzlerin gab darüber hinaus noch eine andere Zusage: Sie bekräftigte das deutsche Engagement, den Amazonas-Regenwald zu retten. Der internationale Einsatz für die Wälder im Amazonasbecken sei "wichtig für unser aller Überleben", sagte Merkel bei einem UN-Treffen zum Naturschutz in der Amazonasregion. Merkel gab auf dem Treffen bekannt, dass die Bundesregierung sich mit 200 Millionen Euro an einer neuen Initiative der Weltbank beteiligt, mit welcher der nachhaltige Schutz von Landschaften gefördert wird. 

Das Amazonas-Treffen fand auf Initiative von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sowie der Präsidenten von Chile und Kolumbien, Iván Duque und Sebastián Piñera, statt. Die französische Regierung teilte aus Anlass des Treffens mit, dass die Weltbank, die Interamerikanische Entwicklungsbank und die Organisation Conservation International weitere 500 Millionen Euro (455 Millionen Euro) für den Schutz der tropischen Regenwälder bereitstellen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. September 2019 um 18:00 Uhr.