Eine rote Schleife - ein Symbol für Solidarität mit Aids-Erkrankten - auf einer Straße in Belgrad | EPA

Auftakt der UN-Aids-Konferenz "Das ist ein Notzustand"

Stand: 08.06.2021 21:38 Uhr

Die UN wollen die Aids-Epidemie bis zum Jahr 2030 beenden. Auf einer Konferenz berät die Weltgemeinschaft, wie sie dieses ambitionierte Ziel erreichen kann. Die UNAIDS-Chefin Byanyima forderte einen fairen Zugang zu innovativer Gesundheitstechnik.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Als sie 10 Jahre alt war, begann Jana Pafilova die Pillen zu nehmen, die ihr das Überleben möglich machten. Die Aids-Infizierte Ukrainerin ist heute 23. "Und heute retten diese kleinen, magischen Pillen das Leben von 27 Millionen Menschen rund um die Welt", sagte sie.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Doch bei weitem nicht jeder, der sie braucht, hat Zugang zu antiretroviralen Medikamenten. Oder weiß genug über die Infektion mit dem Aidsvirus. Als Aktivistin prangerte Pafilova vor den Vereinten Nationen an, wie Menschen wie sie immer noch stigmatisiert werden.

"Ungleichheit tötet"

"Mein Lehrer befahl meiner Klasse, nicht mit HIV-positiven Menschen zu reden. Meine Nachbarin war wütend, weil sie über Jahre nicht wusste, dass ich positiv war", erzählte die junge Frau.

Es sei das Stigma und die Ungleichheit, die töten, mahnte auch die Chefin des UN-Programms UNAIDS, Winny Byanyima. Aids sei nicht vorbei. Seit Beginn der Epidemie haben sich über 77 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Fast 35 Millionen Opfer seien durch Aids gestorben. "Ein Aids-Toter jede Minute - das ist ein Notzustand."

UN hinkt Ziel hinterher

Byanyima forderte mehr Gleichheit beim Zugang zu Gesundheitstechnik ein, um das gesetzte Ziel zu erreichen, dem die Weltgemeinschaft gerade mächtig hinterherhinkt: Das Ende der Aids-Epidemie bis zum Jahr 2030.

"Covid 19 hat gezeigt, dass die Wissenschaft sich nach dem Tempo des politischen Willens bewegt. Die Aidsforschung muss beschleunigt werden", sagte die UNAIDS-Chefin. Die internationale Gemeinschaft müsse wie bei der Covid-Pandemie mehr in innovative Medizin investieren und sie auch Menschen in ärmeren Ländern zugänglich machen.

Die neuen antiretroviralen Medikamente, mit denen Aids verhindert und behandelt werden kann, müssten als Erstes in den südlichen Ländern verteilen werden. Und nicht erst Jahre, nachdem die reichen Länder Zugang dazu haben.

Hälfte der Neuinfizierten waren Frauen

Dabei gehe es neben der Ungleichheit zwischen Arm und Reich auch um die Benachteiligung von Frauen bei der Aidsbekämpfung, prangerte Schauspielerin Charlize Theron an. Die UN-Friedensbotschafterin engagiert sich in ihrer Heimat Südafrika im Kampf gegen Aids. Wie anderswo seien Mädchen und Frauen besonders betroffen.

"Traurigerweise haben sie nicht den Zugang und die Macht, um Entscheidungen zu treffen, die ihr Leben retten könnte", sagte Theron. Das betreffe auch Transgender-Menschen, Sexarbeiterinnen und Männer, die Sex mit Männern haben.

Im vergangenen Jahr seien die Hälfte aller HIV-Neuinfizierten Frauen und Mädchen gewesen, sagte auch der Präsident der UN-Vollversammlung, Volkan Bozkir: Doch unter den 15 bis 19-Jährigen im südlichen Afrika seien sechs von sieben Infizierten weiblich gewesen. Das sei nicht akzeptabel.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 09. Juni 2021 um 04:00 Uhr.