Ständiger Vertreter bei der UN Christoph Heusgen | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

UN-Botschafter Heusgen Deutschlands Stimme im Sicherheitsrat

Stand: 29.12.2018 10:55 Uhr

Merkels Welterklärer wurde er mal genannt: Christoph Heusgen, einst Berater der Kanzlerin, war lange der Mann hinter den Kulissen. Nun vertritt er die Bundesregierung im mächtigsten UN-Gremium.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York.

"Sie brauchen mich nicht Herr Botschafter zu nennen. Nennen Sie mich Herr Heusgen." Herr Heusgen also. Titel seien nicht so wichtig, sagt der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen im ARD-Interview. "Dafür bin ich zu lange in früheren Aufgaben gewesen, wo Titel eigentlich keine Rolle spielen."

Merkels Welterklärer haben sie ihn mal genannt. Christoph Heusgen, 63 Jahre alt, jahrelang der Mann für den guten Rat, nicht für die gute Rede. Der Mann hinter den Kulissen der Macht. "Ich habe in den vergangenen Jahren, zwölf Jahre lang, als außenpolitischer Berater der Bundeskanzlerin gearbeitet", sagt er. "In den 1990er Jahren fünf Jahre als Mitarbeiter von Klaus Kinkel im Außenministerium. Da war immer klar: Als Berater beraten wir. In der Öffentlichkeit tritt der Politiker auf, nicht der Beamte."

UN-Sicherheitsrat | Bildquelle: AP
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Vom 1. Januar an ist Deutschland für zwei Jahre wieder mit einem nicht-ständigen Sitz UN-Sicherheitsrat vertreten.

Kant und deutsche Sprichwörter

Aus dem lichtscheuen Beamten aber ist seit 2017 Deutschlands UN-Botschafter geworden und ab jetzt obendrein die Stimme Deutschlands im mächtigsten UN-Gremium, dem Sicherheitsrat.

Heusgen wunderte sich zu Anfang seiner New Yorker Zeit über die abgelesenen Redebeiträge, er selber wollte lieber frei reden. Manchmal, als es etwa um das iranische Atomabkommen ging, macht er einen Versuch. Als Amerikas Außenminister Mike Pompeo Barack Obama zitierte und dessen Idealismus mit Blick auf den Iran, kam Heusgen mit dem kategorischen Imperativ von Immanuel Kant daher. Und einmal im Fluss, folgte gleich noch der Rat an den amerikanischen Kollegen, das "Kind nicht mit dem Bade" auszuschütten. Da schauten sie hoch im Sicherheitsrat und der amtierende Präsident des UN-Gremiums von der Elfenbeinküste schickte einen Dank und ein deutsches "Sehr gut" hinterher.

Nichts dem Zufall überlassen

Den gesamten Dezember bereits hatten sie im deutschen UN-Team Sicherheitsrat "geübt", alles sollte klappen. Heusgen, der analytische Rheinländer mit CDU-Parteibuch, überlässt nichts dem Zufall, wohl wissend, dass ein nicht-ständiges Mitglied im Sicherheitsrat die Welt nicht neu erfinden wird.

Im April sitzt Heusgen dann einen Monat dem Sicherheitsrat vor. Rüstungskontrolle. Klimawandel, mehr Frauen in der Konfliktprävention und der Schutz humanitärer Helfer - das sind ein paar der Themen, die der Skimarathon-Fan und ausdauernde Langläufer Heusgen auf dem Zettel hat. Seine Wohnung, erzählt er, sei direkt am Central Park, und der Central Park die vielleicht schönste Trainingsstrecke der Welt. "Und dann müssen Sie sich doch regelmäßig ins Ohr kneifen und sagen: Ich bin ja in New York, einem der schönsten Orte der Welt, und habe das Privileg, hier meine Laufrunden zu drehen."

Jetzt also zwei Jahre UN-Sicherheitsrat mit Christoph Heusgen, der für Deutschland spricht, wenn nicht Außenminister Maas oder Kanzlerin Merkel kommen. Dann nämlich sitzt auch der Botschafter im Sicherheitsrat wieder in der zweiten Reihe.     

 

Christoph Heusgen: Von Merkels Welterklärer zur deutschen UN-Stimme
Georg Schwarte, ARD New York
29.12.2018 10:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Dezember 2018 um 06:25 Uhr.

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