Mitarbeiter der UN stehen vor Flüchtlingen auf der Insel Malta. | Bildquelle: REUTERS

Flüchtlingszentren in Malta UN kritisieren "schockierende Bedingungen"

Stand: 02.10.2020 15:14 Uhr

Kaum sauberes Wasser, fehlende sanitäre Einrichtungen, Freiheitsentzug: Die Bedingungen für Migranten in Malta sind nach Einschätzung von UN-Ermittlern inakzeptabel. Sie fordern die EU-Kommission zum Handeln auf.

Das EU-Mitgliedsland Malta hält Migranten und Flüchtlinge laut UN-Ermittlern monatelang unter "schockierenden Bedingungen" gefangen. Die Betroffen seien nach eigener Auskunft auf dem Inselstaat von den Behörden festgesetzt worden, teilte das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte in Genf mit.

Die Regierung Maltas habe die Menschenrechte der Migranten und Flüchtlinge zu respektieren. Das von der Europäischen Kommission vorgeschlagene neue Migrations- und Asylpaket für die EU müsse die Instrumente liefern, um die Missstände zu beheben, so die UN-Ermittler.

Kleidung darf nur einmal gewechselt werden

Ein Team der UN hatte Ende September in Malta ermittelt und Interviews mit Migranten, Vertretern von Behörden und Hilfsorganisationen geführt. Dabei kam unter anderem heraus, dass es in einem überfüllten Flüchtlingszentrum auf Malta kaum Sonnenlicht, sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen gegeben habe.

Nach der Einweisung in das Camp hätten die Migranten und Flüchtlinge nur einmal die Kleidung wechseln können. Die Menschen hätten zudem keinen Zugang zu Rechtsbeistand gehabt.

Hunderte Tote bei Mittelmeer-Überquerung

Zudem werfen die UN dem Militär Maltas vor, mindestens einmal versucht zu haben, ein Boot mit Flüchtlingen in libysche Gewässer zurückzudrängen. In einem anderen Fall soll es ein Boot in Richtung der italienischen Insel Lampedusa gedrängt haben.

Im Zuge der Corona-Pandemie hatten Malta, Italien und andere Anrainerstaaten des Mittelmeeres ihre Seehäfen geschlossen. Auch privaten Seenotrettungsschiffen wird immer wieder die Einfahrt in Häfen verboten, wenn sie Gerettete an Bord haben. Nur vereinzelt und nach langen Verhandlungen werden Migranten und Flüchtlinge an Land gelassen.

Von Januar bis Mitte September 2020 starben laut der Internationalen Organisation für Migration 178 Menschen auf der zentralen Mittelmeerroute zwischen dem afrikanischen Kontinent und Malta sowie Italien. Weitere 222 Menschen galten als vermisst.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Oktober 2020 um 14:00 Uhr.

Darstellung: