Anwohner stehen Schlange, um ein kostenloses Mittagessen zu bekommen, Lima / Peru

UN-Bericht Corona verschärft Armut dramatisch

Stand: 11.09.2020 12:34 Uhr

Laut einem UN-Bericht hat die Corona-Krise die Armut weltweit verschärft. Zwar würden viele Rettungsprogramme aufgelegt - aber das Geld komme oft nicht bei den Bedürftigen an.

Im Zuge der Corona-Pandemie droht laut einem UN-Bericht ein historischer Anstieg der weltweiten Armut. Die Krankheit habe den schwersten Wirtschaftseinbruch in Friedenszeiten seit der Weltwirtschaftskrise 1929 verursacht, heißt es in dem Bericht. 176 Millionen Menschen drohe dadurch der Fall in die Verarmung. "Die schlimmsten Auswirkungen der Krise auf die Armut stehen noch bevor", so der Sonderberichterstatter für extreme Armut, Olivier De Schutter.

Das Geld kommt bei den Menschen nicht an

Der Bericht, der sich unter anderem auf Zahlen der Weltbank stützt, geht dabei von einer Armutsgrenze von 3,20 US-Dollar pro Tag aus. Zwar hätten 113 Länder im Verlauf der Corona-Krise Sozialprogramme von insgesamt 589 Milliarden US-Dollar aufgelegt. Doch bei vielen Menschen komme dieses Geld nicht an. Dies beginne schon damit, dass Anträge oft online auszufüllen seien, wodurch Menschen ohne Internetzugang oder Analphabeten außen vor blieben.

Außerdem, so der Sonderberichterstatter: "Diese derzeitigen Maßnahmen sind im Allgemeinen kurzfristig, die Hilfe ist unzureichend und viele Menschen werden unausweichlich in die Lücken fallen." De Schutter appellierte deshalb an die internationale Gemeinschaft, ihre Hilfsprogramme im Sinne der Ärmsten zu verstärken.

Problem informeller Sektor

Als besonders gefährdet stuft der UN-Bericht informell und prekär Beschäftigte ein. Dies seien insgesamt zwei Milliarden Menschen oder 61 Prozent der arbeitenden Bevölkerung weltweit. Viele nationale Hilfsprogramme berücksichtigten diese Menschen gar nicht oder ermöglichten kein angemessenes Leben, kritisierte De Schutter. Viele betroffene Familien hätten ihre letzten Reserven verbraucht und alles verkauft. Stark betroffen von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie seien zudem Migranten, insbesondere Zuwanderer ohne gültige Papiere.

Über dieses Thema berichtete Bayern 2 Nachrichten am 11. September 2020 um 14:00 Uhr.

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