Pangolin | Bildquelle: dpa

UN-Biodiversitätsgipfel Angst um die "wunderbaren Wesen"

Stand: 01.10.2020 12:23 Uhr

Eine Million Tier- und Pflanzenarten sind weltweit vom Aussterben bedroht. Bei einem UN-Gipfel haben Staats- und Regierungschefs jetzt zum Handeln gemahnt - der britische Premier Johnson anhand eines persönlichen Beispiels.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Beim etwas sperrigen Thema "Biodiversität" macht sich jeder so seine eigenen Gedanken. Der britische Premierminister Boris Johnson etwa über das Schuppentier, was ihn hörbar in Begeisterung versetzte:

"Dieses schuppige Säugetierwunder der Evolution, das mit einer Greifzunge aufwartet, die irgendwie an seinem Becken befestigt ist: Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand für einen Planeten entscheidet, auf dem solch ein wunderbares, bizarres, kleines Wesen zukünftigen Generationen so unbekannt ist, wie es Dinosaurier oder Dodos für uns heute sind. Das ist das, was uns erwartet, wenn wir so weitermachen. Und das sind schlechte Nachrichten nicht nur für die Schuppentiere, sondern für uns alle."

"Krieg gegen die Natur"

Bundeskanzlerin Angela Merkel ging das Thema dagegen gewohnt nüchtern an: "Umweltzerstörung und Klimawandel und damit auch der Verlust der biologischen Vielfalt beschleunigen sich in einem Ausmaß, das es in der Menschheitsgeschichte bislang nicht gegeben hat. Das bedroht Lebensqualität, Wirtschaftssysteme und den sozialen Zusammenhalt."

Und UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der sich hauptberuflich mit bewaffneten Konflikten beschäftigen muss, drückte es so aus: "Die Menschheit führt Krieg gegen die Natur. Wir müssen unsere Beziehung zur Natur wieder neu aufbauen."

"Eine globale Trendwende"

Einig waren sich nicht nur die drei, sondern auch die anderen Vertreter von rund 150 Staaten und hochrangigen Organisationen - von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron über Chinas Staatschef Xi Jinping bis zur EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Zum Schutz der Artenvielfalt müsse jetzt gehandelt werden, so Kanzlerin Merkel. Man brauche eine globale Trendwende, müsse Schutzgebiete ausweiten und Ökosysteme renaturieren. "Wir müssen insgesamt Land und Meer nachhaltiger nutzen und naturverträglicher wirtschaften. Mit 'Wir' meine ich alle Staaten."

Gipfel ohne die USA

Ein frommer Wunsch. Gerade mal gut 60 Länder haben eine Selbstverpflichtung unterzeichnet, sich stärker für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen zu wollen. Unter anderem soll unregulierte Fischerei und Wilderei gestoppt werden und bis spätestens 2050 kein Plastikmüll mehr in die Meere gelangen.

Zahlreiche große Staaten wie beispielsweise Brasilien, Indien, China und die USA haben sich nicht an der Aktion beteiligt. Die Vereinigten Staaten blieben auch demonstrativ dem UN-Gipfel fern.

UN-Generalsekretär Guterres mahnte, zu oft werde auf die Umwelt herabgeschaut oder das Thema von Regierungen kleingeredet. Das Gipfeltreffen sei die Gelegenheit, der Welt zu zeigen, dass es auch noch einen anderen Weg gebe. "Wir müssen unseren Kurs und unser Verhältnis zur Natur ändern. Wenn wir mit der Natur im Einklang leben, können wir die schlimmsten Folgen des Klimawandels abwenden und die Artenvielfalt stärken im Interesse der Menschen und des Planeten."

Der Schutz der Natur könne auch zum Jobmotor werden, so Guterres. Etwa, wenn die Corona-Rettungspakete für eine nachhaltigere Wirtschaft verwendet würden und die Finanzmärkte in die Natur investierten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung fand sich eine falsche Zahl. Diese haben wir korrigiert.

 

UN-Biodiversitätsgipfel: Trendwende nicht nur im Interesse des Schuppentiers
Peter Mücke, ARD New York
01.10.2020 09:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Oktober 2020 um 11:00 Uhr.

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