Ein verbranntes Fahrzeug steht nach einem russischen Raketenangriff vor einem beschädigten Gebäudekomplex in Kiew. | dpa

Krieg gegen die Ukraine Ukraine meldet Kontrolle über Region Kiew

Stand: 02.04.2022 20:19 Uhr

Während russische Truppen weiter in Richtung Süden und Osten der Ukraine abziehen, meldet die Ukraine die Rückeroberung der Region Kiew. Der Vorort Butscha wurde offenbar schwer zerstört. Viele Tote sollen auf den Straßen liegen.

In ihrem Krieg gegen die Ukraine ziehen sich die russischen Truppen vom nordwestlichen Rand der Hauptstadt Kiew offenbar zurück und verstärken ihre Angriffe im Osten und Süden des Landes. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, er erwarte dort nun heftige Angriffe. "Russische Soldaten werden in den Donbass geholt. Genauso in Richtung Charkiw." Moskau wolle nun dort "die Kontrolle über große besetzte Gebiete behalten", sagte der ukrainische Präsidentenberater Michailo Podoljak.

Der stellvertretende Verteidigungsminister der Ukraine teilte indes mit, die ukrainische Truppen hätten die Kontrolle über die gesamte Region Kiew wiedererlangt.

Ukraine: Straßen in Butscha mit Leichen übersät

Auch der Kiewer Vorort Butscha sei wieder unter ukrainischer Kontrolle. Durch die Kämpfe dort sei die Kleinstadt stark zerstört, so Bürgermeister Anatoly Fedoruk gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Straßen seien mit Leichen übersät. Anwohner berichteten, die Zivilisten seien von russischen Soldaten ohne erkennbare Provokation getötet worden.

280 Menschen mussten nach Angaben des Bürgermeisters in Massengräbern beigesetzt werden, da die drei städtischen Friedhöfe in Reichweite des russischen Militärs liegen. Er könne aber nicht sagen, wie viele Tote es insgesamt nach den wochenlangen Kämpfen in Butscha gebe. 

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Russische Armee spricht von Angriff auf Militärflugplatz

Das russische Militär hat nach eigener Darstellung in der Ukraine einen Militärflugplatz in dem Gebiet Poltawa angegriffen. Dabei seien Kampfhubschrauber und Flugzeuge zerstört worden, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Außerdem seien in der zentral gelegenen Region Depots für Treibstoff und Waffen getroffen worden. In der Nähe der Bahnhöfe in Losowa und Pawlohrad seien zudem gepanzerte Fahrzeuge, Munition und Treibstofftanks zerstört worden.

Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Der ukrainische Leiter der Region Poltawa teilte aber mit, dass die Landebahn und das Tankdepot des Flugfeldes bei einem russischen Luftschlag beschädigt wurden.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/02.04.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/02.04.2022

Neue Evakuierungsversuche in Mariupol und anderswo

In der stark zerstörten und seit Wochen belagerten Stadt Mariupol hoffen viele der schätzungsweise 100.000 verbliebenen Einwohner auf weitere Versuche des Roten Kreuzes, mit Bussen evakuiert zu werden. Ein Team von neun Helfern brach dazu in der Stadt Saporischschja auf, wie ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Genf mitteilte.

Parallel dazu war nach Angaben von Vize-Ministerpräsidentin Irina Wereschtschuk geplant, Menschen in Privatautos aus Mariupol herauszubringen. Ähnliche Fluchtkorridore sollte es in weiteren umkämpften Städten geben, darunter im etwa 80 Kilometer westlich von Mariupol gelegenen Berdjansk. Dorthin machten sich zehn Busse auf den Weg, um Geflüchtete abzuholen, die es auf eigene Faust aus Mariupol heraus geschafft haben.

Etwa 4200 Menschen seien im Tagesverlauf über die Fluchkorridore aus den verschiedenen Städten evakuiert worden, berichtete Wereschtschuk am Samstagabend.

Vermisster Fotojournalist tot

Nördlich der Hauptstadt, in der Nähe des Dorfes Guta Meschygirska, wurde nach Angaben der Präsidialverwaltung der ukrainische Fotojournalist Maks Levin tot aufgefunden. Er sei seit fast drei Wochen vermisst worden. Laut Generalstaatsanwaltschaft war Levin nach vorläufigen Erkenntnissen unbewaffnet und wurde von russischen Soldaten erschossen. Die Behörde nahm nach eigenen Angaben Ermittlungen auf, wegen eines mutmaßlichen Kriegsverbrechens und zu den genauen Todesumständen. 

Levin ist laut Reporter ohne Grenzen der bereits sechste Journalist, der seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar in der Ukraine getötet wurde. Der 40-jährige Levin arbeitete für ukrainische und internationale Medien.

Vor einem zerstörten Haus steht die Büste eines bärtigen Mannes. | REUTERS

Dieses während der russischen Invasion in der Ukraine zerstörte Gemeindezentrum in der Region Kiew hat der getötete Fotograf Maks Levin am 4. März 2022 aufgenommen. Bild: REUTERS

Festnahmen bei Proteste in Russland

In Russland regt sich weiter Widerstand gegen Putins Angriffskrieg auf die Ukraine. In vielen Städten protestierten Menschen. Es habe mehr als 200 Festnahmen in 17 Städten gegeben, teilte die Nichtregierungsorganisation OVD-Info mit. In der Hauptstadt Moskau und in St. Petersburg seien die meisten Demonstranten in Gewahrsam genommen worden. Die Bürgerrechtler veröffentlichten Bilder von Mahnwachen, die einzelne Demonstranten mit Schildern wie "Kein Krieg" zeigten.

In einem Park in der Nähe des Kreml in Moskau seien sogar Menschen mitgenommen worden, die lediglich auf Bänken gesessen hätten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. April 2022 um 20:00 Uhr.