Ein Mädchen schaut durch das Fenster eines Autos, als ihre Familie aus Mariupol im Zentrum für Vertriebene in Saporischschja (Ukraine) ankommt. (Archivbild: 05. Mai 2022) | AP

Krieg gegen die Ukraine 500 Zivilisten aus Mariupol evakuiert

Stand: 06.05.2022 10:22 Uhr

Mit Hilfe der UN sollen die Evakuierungsversuche aus Mariupol fortgesetzt werden. Bislang wurden etwa 500 Zivilisten in Sicherheit gebracht. Die Ukraine rechnet damit, dass Russland das belagerte Stahlwerk bis Montag erobern will.

Aus der seit Wochen von russischen Truppen belagerten südukrainischen Hafenstadt Mariupol und dem Stahlwerk Asowstal sind nach ukrainischen Angaben in den vergangenen Tagen insgesamt etwa 500 Zivilisten in Sicherheit gebracht worden. Es sei gelungen, fast 500 Zivilisten zu evakuieren, teilte der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak, mit. Der Evakuierungseinsatz werde fortgesetzt.

Die ukrainische Regierung werde "alles tun, um die Zivilisten und Soldaten zu retten", die in der zerstörten Stadt festsitzen. "Heute konzentrieren wir uns auf das Asow-Stahlwerk", erklärte die stellvertretende ukrainische Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk.

Dritte Evakuierungsaktion

Die Vereinten Nationen hatten am Donnerstag angekündigt, einen neuen Konvoi zur Evakuierung von Zivilisten aus dem Stahlwerk zu organisieren, wo nach ukrainischen Angaben noch etwa 200 Zivilisten festsitzen. Außerdem sollten erneut Zivilisten aus dem zerbombten Mariupol und deren Umgebung in Sicherheit gebracht werden. Eine neue Operation sei angelaufen, sagte ein Sprecher des UN-Nothilfeprogramms, Saviano Abreu, der Nachrichtenagentur AP. Man arbeite dabei mit den Konfliktparteien und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz zusammen. Weitere Informationen werde es erst geben, wenn die Situation das erlaube, sagte Abreu weiter.

UN-Generalsekretär António Guterres bestätigte im Sicherheitsrat den Beginn einer dritten Evakuierungsaktion. Er hatte die Evakuierungen von Zivilisten aus belagerten Gebieten wie Mariupol bei jüngsten Treffen mit den Präsidenten der Ukraine und Russlands ausgehandelt.

Auch nach Worten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hält die Evakuierung von Zivilisten aus Mariupol an. In seiner täglichen Videoansprache sagt er jedoch nicht, wie viele Menschen die belagerte Stadt am Donnerstag verlassen konnten.

Russischer Angriff auf Stahlfabrik geht weiter

Derweil geht der russische Angriff auf die Stahlfabrik nach Angaben des ukrainischen Militärs weiter. Es gebe nach wie vor eine Blockade gegen Einheiten der ukrainischen Verteidiger in der Gegend, teilte der ukrainische Generalstab mit. Es werde versucht, mit Unterstützung aus der Luft die Anlage einzunehmen.

Das britische Verteidigungsministerium geht davon aus, dass Russland die Stahlfabrik und damit die gesamte ukrainische Hafenstadt Mariupol vor dem "Tag des Sieges" am 9. Mai einnehmen will. Der Einnahmeversuch hänge wahrscheinlich mit dem Wunsch von Staatschef Wladimir Putin zusammen, "einen symbolischen Erfolg in der Ukraine" zu verbuchen, teilte das britische Verteidigungsministerium bei Twitter mit.

"Dieser Versuch hat Russland Soldaten, Ausrüstung und Munition gekostet. Während der ukrainische Widerstand in Asowstal weitergeht, werden die russischen Verluste weiter zunehmen", gab das Ministerium an. Das werde sich auf die russischen Pläne im Süden der Region Donbass in der Ostukraine auswirken. Am "Tag des Sieges" wird an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg erinnert.

Pentagon: Gros der Truppen hat Stadt verlassen

Nach Einschätzung des Pentagons haben die meisten russischen Truppen das belagerte südukrainische Mariupol unterdessen inzwischen in Richtung Norden verlassen. In der Hafenstadt verblieben seien noch rund 2000 russische Soldaten, was zwei taktischen Bataillonsgruppen entspreche, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby.

Trotz anhaltender russischer Luftangriffe auf Mariupol machten Moskaus Truppen allenfalls "tapsende" Fortschritte, zumal sich die Hauptkämpfe auf den Donbass im Osten der Ukraine konzentrierten. Vor dem 9. Mai könne das Pentagon keine Veränderung im russischen Vorgehen oder eine andere Dynamik erkennen, sagte Kirby mit Blick auf den 77. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland.

Die USA gingen davon aus, dass Russland hinter dem Zeitplan für die Invasion liege und im Donbass nicht die vom Kreml erhofften Fortschritte erziele, ergänzte Kirby.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.