Das AKW Saporischschja in der Ukraine. | via REUTERS

IAEA zu AKW Saporischschja Risiko für Unfall "signifikant erhöht"

Stand: 09.09.2022 19:10 Uhr

Anhaltender Beschuss, keine externe Stromversorgung mehr, kaum noch ausreichend Personal - im AKW Saporischschja ist die Gefahr einer Nuklearkatastrophe laut IAEA noch einmal deutlich gestiegen.

Von Silke Hahne, ARD-Studio Wien

Nach Angaben der Internationalen Atomenergieagentur IAEA ist der sichere Betrieb von Saporischschja gefährdet. Das Problem: die Stromversorgung. Diese sorgt für die Kühlung der Reaktorkerne und des Atommülls in Saporischschja.

Silke Hahne ARD-Studio Wien

Durch den Beschuss in der Region gibt es in Enerhodar einen kompletten Blackout, so IAEA-Chef Rafael Grossi: "Jetzt ist die Chance gering, dass das Kraftwerk wieder an eine verlässliche Stromversorgung von außen angeschlossen werden kann."

Beschuss gefährdet Personal

Laut IAEA erwägt der Betreiber von Saporischschja deshalb, den einzigen noch laufenden Reaktor abzuschalten. Fünf weitere Reaktoren arbeiten schon nicht mehr. Ohne eigene Stromproduktion und ohne Versorgung von außen würde das AKW nur noch über Notfallgeneratoren mit Strom versorgt.

In Enerhodar gibt es zudem weder Strom noch fließendes Wasser. In der Stadt leben die Beschäftigten des AKW und ihre Familien. Diese würden in Gefahr gebracht, auch das sei ein Risiko für das Atomkraftwerk, so Grossi: "Der Beschuss gefährdet die Betreiber. Das macht es schwierig, das Kraftwerk noch ausreichend mit Personal zu bestücken. All das hat das Risiko eines nuklearen Unfalls signifikant erhöht."

IAEA-Experten weiter vor Ort

Grossi forderte erneut, den Beschuss von Saporischschja zu beenden und eine entmilitarisierte Zone rund um das Kraftwerk und Enerhodar einzurichten.

Lassen sie mich klar werden: Der Beschuss von Saporischschja muss enden. Eine nukleare Sicherheits- und Schutzzone muss sofort vereinbart werden. Ein Atomkraftwerk darf nie Spielball eines Krieges sein.

Die Internationale Atomenergieagentur hat seit voriger Woche zwei Experten dauerhaft in Saporischschja, die die Organisation mit Informationen aus dem von Russland besetzten AKW versorgen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. September 2022 um 18:00 Uhr.