Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hält eine Schweigeminute während einer Zeremonie zur Ehrung des Staatlichen Rettungsdienstes und zur Verleihung der Auszeichnung "Retter des Jahres" im Mariinskyi-Palast in Kiew, Ukraine. | dpa

Krieg gegen die Ukraine Selenskyj fordert Strafe nach Leichenfunden

Stand: 17.09.2022 09:35 Uhr

Der ukrainische Präsident Selenskyj fordert nach den in Isjum gefundenen Toten härtere Sanktionen gegen Russland. Es gebe klare Beweise für Folter und erniedrigende Behandlung. Russische Vertreter bestritten eine Verantwortung.

Nachdem in der Nähe der von der russischen Besatzung befreiten Stadt Isjum Hunderte Leichen gefunden wurden, fordert der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass Russland wegen Kriegsverbrechen bestraft wird. Es müsse noch härtere Sanktionen geben.

"Es ist zu früh, etwas über die Zahl der dort begrabenen Menschen zu sagen. Die Ermittlungen dauern an", sagte Selenskyj in seiner Videobotschaft. Etwa 450 Gräber wurden in einem Wald nahe der ostukrainischen Stadt bislang gefunden. Einige wurden offenbar von russischen Truppen erschossen und gefoltert.

Selenskyj: "Klare Beweise für Folter"

"Es gibt bereits klare Beweise für Folter, erniedrigende Behandlung von Menschen", betonte Selenskyj aber. "Außerdem gibt es Beweise, dass russische Soldaten, deren Positionen nicht weit von dieser Stelle waren, auf die Beerdigten einfach aus Spaß geschossen haben."

Der ukrainische Präsident begrüßte, dass die Vereinten Nationen Experten schicken wollen, um die Taten zu erfassen. Er forderte außerdem Reiseverbote in die EU für Russen. Unternehmen sollten sich von Russland abkehren, so Selenskyj: "Wenn ein Staat den Weg des Terrors einschlägt, dann ist es die Pflicht einer Firma mit Selbstachtung, sich von einem solchen Staat zu distanzieren." Russland habe in Isjum agiert wie in Butscha, so Selenskyj.

US-Regierung: Leichenfunde "abscheulich"

Die US-Regierung bezeichnete die Leichenfunde als "abscheulich". "Es passt leider zu der Art von Verdorbenheit und Brutalität, mit der die russischen Streitkräfte diesen Krieg gegen die Ukraine und das ukrainische Volk führen", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby.

Die US-Regierung werde weiterhin die Bemühungen unterstützen, russische Kriegsverbrechen zu dokumentieren.

Russland bestreitet Verantwortung

Russische Vertreter bestritten eine Verantwortung für Hunderte Todesopfer in der ukrainischen Stadt Isjum. Der von Russland eingesetzte Gouverneur der Region Charkiw, Witali Gantschew, sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass, die ukrainischen und nicht die russischen Streitkräfte seien für die zivilen Opfer in Isjum verantwortlich.

Tass zitierte auch einen Abgeordneten des russischen Parlaments, Alexander Malkewitsch, der angab, die ukrainischen Truppen hätten ihre Toten zurückgelassen. Daher hätten die russischen Streitkräfte sie begraben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. September 2022 um 09:50 Uhr.