Feuerwehrleute arbeiten daran, ein Feuer bei einem Haus nach einem russischen Angriff in Charkiw zu löschen. | dpa

Krieg gegen die Ukraine Ukraine meldet Abschuss von Kampfflugzeug

Stand: 13.04.2022 12:34 Uhr

Russland setzt seinen Beschuss ukrainischer Ziele unvermindert fort. In Mariupol sollen sich 1000 ukrainische Soldaten ergeben haben. Die Ukraine meldet derweil den Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs.

Ungeachtet aller Appelle und Gespräche gehen die Kampfhandlungen in der Ukraine mit unverminderter Härte weiter. Die ukrainischen Truppen meldeten den Abschuss eines russischen Erdkampfflugzeugs vom Typ Su-25. Insgesamt sei jedoch die Aktivität der russischen Luftwaffe wegen des schlechten Wetters zurückgegangen, teilte der ukrainische Generalstab per Facebook mit.

Zugleich seien zivile Objekte in den Gebieten Charkiw und Saporischschja mit Raketen angegriffen worden. Auch der Artilleriebeschuss der ostukrainischen Metropole Charkiw werde fortgesetzt. Nach Angaben des dortigen Gouverneurs, Oleg Synegubow, wurden binnen eines Tages mindestens 27 Menschen getötet und weitere 22 verletzt. Unter den Todesopfern sei auch ein zweijähriger Junge, teilte Synegubow mit. Die Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Russland meldet Kapitulation von 1000 Soldaten

Ebenso werden nach Angaben des Generalstabs in der belagerten südostukrainischen Hafenstadt Mariupol weiter ukrainische Positionen bombardiert. Im Hafengelände und in dem Stahlwerk Asowstal würden die russischen Truppen ihre Angriffe fortsetzen.

Russlands Verteidigungsministeriums verbreitete inzwischen eine Meldung, dass mehr als 1000 ukrainische Soldaten und Soldatinnen ihre Waffen niedergelegt und sich in Gefangenschaft begeben hätten. Es soll sich um 1026 Angehörige der 36. Brigade der Marineinfanterie handeln, gab der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, an.

Unter den Gefangenen seien 162 Offiziere und 47 Frauen, sagte Konaschenkow. Demnach ergaben sich die Kämpferinnen und Kämpfer bei Gefechten um einen großen metallverarbeitenden Betrieb den Einheiten der russischen Armee sowie den prorussischen Separatisten aus dem Gebiet Donezk, zu dem Mariupol gehört. Auch diese Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/12.04.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/12.04.2022

"Das ist kein Leben. Das ist Überleben"

Medien hatten zuletzt berichtet, dass rund 3000 ukrainische Kämpfer in Mariupol noch die Stellung gehalten hätten. Diese Zahl wäre demnach nun um ein Drittel gesunken.

Trotz der Zerstörung vieler Häuser harren in Mariupol immer noch Zivilisten aus, wie Vizebürgermeister Serhij Orlow den tagesthemen am Dienstag sagte. Die Menschen hielten sich in Kellern und Schutzräumen auf, um dem Beschuss zu entgehen. "Das ist kein Leben. Das ist Überleben", sagte Orlow. Die ukrainische Verwaltung des Gebiets Donezk, zu dem Mariupol gehört, teilte am Dienstag mit, nach Schätzungen seien dort mehr als 20.000 Menschen getötet worden.

Ukraine meldet Hunderte Tote in Hauptstadt-Vororten

In Vororten rund um die Hauptstadt Kiew wurden inzwischen Hunderte Leichen gefunden. Das ukrainische Innenministerium geht von insgesamt mehr als 700 getöteten Menschen. In den Gebieten, die tagelang von russischen Truppen besetzt gewesen waren, würden noch mehr als 200 Menschen vermisst, teilte das Ministerium weiter mit.

Allein in Butscha wurden laut Behörden mehr als 400 Leichen gefunden. "Wir haben 403 Tote, die bestialisch gefoltert, ermordet wurden", sagte Butschas Bürgermeister Anatolij Fedoruk. Seinen Angaben zufolge läuft derzeit die Exhumierung von Leichen eines weiteren Massengrabes mit 56 Toten. Mindestens 16 Menschen würden noch vermisst. Diese Zahl könne steigen, wenn Minensucher das Gebiet durchkämmten.

Der Generalstaatsanwaltschaft zufolge nahmen französische Experten von Gendarmerie und des medizinischen Dienstes der französischen Armee ihre Arbeit auf. "Die gesammelten Beweise werden in den nationalen Ermittlungen genutzt und ebenfalls an den Internationalen Strafgerichtshof übergeben", sagte Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa. Mit einem mobilen Labor zur DNA-Analyse sollen die Experten 15 Tage in dem Ort bleiben.

Selenskyj spricht von russischen Phosphorbomben

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft Russland den Einsatz von Phosphorbomben vor. Das sei Terror gegen die Zivilbevölkerung, sagte er in einer Video-Ansprache vor dem estnischen Parlament. Eine unabhängige Bestätigung für einen Phosphorbomben-Einsatz gibt es bislang nicht. Selenskyj fordert zudem, Instrumente zu finden, die den Druck auf Russland erhöhen, Zwangsdeportation von Ukrainern zu beenden. Sanktionen gegen Russland müssten fortgeführt werden.

Vorschlag zum Gefangenenaustausch

Dem Kreml machte Selenskyj einen Vorschlag zum Austausch des festgenommenen prorussischen Politikers Viktor Medwedtschuk: "Ich schlage der Russischen Föderation vor, ihren Jungen gegen unsere Jungen und Mädchen in russischer Gefangenschaft auszutauschen." Der Politiker und Oligarch Medwedtschuk gilt als engster Verbündeter von Kreml-Chef Wladimir Putin in der Ukraine. Er hatte sich kurz vor Ausbruch des Krieges im Februar aus seinem Hausarrest abgesetzt und wurde am Dienstag vom ukrainischen Geheimdienst SBU festgenommen.

"Niemand in der Welt versteht" einen solchen Plan

In einer nächtlichen Videoansprache reagierte Selenskyj auf Äußerungen von Putin, der Krieg verlaufe nach Plan. "Ganz ehrlich, niemand in der Welt versteht, wie ein solcher Plan aufgestellt werden konnte", sagte Selenskyj. Was tauge ein Plan, der den Tod Zehntausender eigener Soldaten vorsehe, fragte der Staatschef. Dabei sei klar, dass in Moskau die Zahl der getöteten Ukrainer ohnehin nicht interessiere.

Selenskyj zitierte ukrainische Zahlen, wonach bereits 20.000 russische Soldaten getötet worden seien. Westliche Schätzungen gehen von mehreren Tausend Toten aus. Der Kreml selbst spricht nur von schweren Verlusten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. April 2022 um 12:00 Uhr.