Wolodomyr Selenskyj | REUTERS

Diplomatie im Ukraine-Krieg Wenig Bewegung

Stand: 01.03.2022 20:52 Uhr

Schnelle Verhandlungserfolge unwahrscheinlich: Der ukrainische Präsident Selenskyj stellte klar, zunächst müssten die Bombardements aufhören. Und Präsident Putin wiederum bekräftigte seine Maximalforderungen.

Zwar verhandeln seit Montag ukrainische und russische Delegationen - aber mit einem schnellen Erfolg dieser Gespräche rechnete bereits im Vorfeld niemand. Tatsächlich stand am Ende des Treffens die Vereinbarung, weiterreden zu wollen. Angesichts der zunehmenden Eskalation des Krieges in der Ukraine ist das ein Achtungserfolg - viel mehr aber auch nicht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte dann heute noch einmal, dass die erste Verhandlungsrunde kaum Fortschritte gebracht habe. Um überhaupt vernünftig miteinander sprechen zu können, müssten zunächst die massiver werdenden russischen Luftangriffe eingestellt werden, forderte er. "Es ist notwendig, zumindest die Bombardierung von Menschen einzustellen, einfach die Bombardierung zu beenden und sich dann an den Verhandlungstisch zu setzen", sagte Selenskyj.

Putin bleibt bei seinen Forderungen

Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass soll es am Mittwoch eine neue Gesprächsrunde geben. Dass diese einen Erfolg bringt, gilt aber nicht nur wegen der anhaltenden russischen Bombardements als unwahrscheinlich. Auch politisch gibt es wenig Bewegung: So stellte Russlands Präsident Wladimir Putin heute noch einmal klar, dass er nicht bereit ist, von seinen Maximalforderungen abzurücken.

Wie der Kreml am Abend mitteilte, besteht Putin weiterhin darauf, dass die Regierung in Kiew die selbsternannten "Volksrepubliken" Luhansk und Donezk sowie Russlands Souveränität über die Schwarzmeer-Halbinsel Krim anerkennt. Außerdem müsse die Ukraine demilitarisiert und in einen neutralen Status überführt werden.

Appell an die NATO

Dass die Regierung Selenskyj diese Bedingungen - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt - annimmt, gilt als ausgeschlossen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters und dem US-Sender CNN forderte Selenskyj vielmehr, dass die NATO - wenn sie die Ukraine schon nicht sofort aufnehmen wolle - Sicherheitsgarantien für sein Land ausarbeite. Nur so könne die territoriale Einheit des Landes geschützt werden. Selenskyj erneuerte zudem seine Forderung nach einer Flugverbotszone über der Ukraine.

Dass die NATO eine solche Zone einrichtet, gilt allerdings ebenfalls als sehr unwahrscheinlich. So erklärte zuletzt ein sichtlich zerknirschter britischer Premier Boris Johnson einer ukrainischen Aktivistin, sein Land könne dem Land nicht so helfen, wie diese sich das vorstelle: Mit einer Flugverbotszone müsse die NATO russische Flugzeuge abschießen und sich in den direkten Kampf begeben. "Das können wir nicht tun", sagte er. "Die Konsequenzen daraus wären sehr, sehr schwierig zu kontrollieren."

Kann China vermitteln?

In der Ukraine hofft man nun, dass Russlands großer Nachbar China seinen Einfluss auf Putin geltend macht und zumindest eine Feuerpause vermitteln kann. Das Außenministerium in Peking teilte mit, dass der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba von einer "konstruktiven Rolle" Chinas gesprochen habe. Die Ukraine wolle die Kommunikation mit Peking verstärken und "sieht der Vermittlung Chinas zur Verwirklichung einer Feuerpause entgegen", hieß es.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. März 2022 um 20:00 Uhr.