Demonstration von Trump-Gegnern vor dem Capitol | Bildquelle: AFP

Trumps Ukraine-Telefonat Eine Affäre, zwei Interpretationen

Stand: 28.09.2019 12:17 Uhr

Die US-Demokraten sind überzeugt, dass sie jetzt genügend Gründe für ein Amtsenthebungsverfahren haben. Präsident Trump und die Republikaner sprechen von einer bloßen "Hexenjagd". Die Interpretationen einer turbulenten Woche.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Es begann als eher verwirrende Meldung über einen angeblichen Whistleblower im Weißen Haus, der belastendes Material über Donald Trump vorgelegt habe. In atemberaubender Geschwindigkeit wurde daraus der Beginn eines Amtsenthebungsverfahrens gegen den Präsidenten. Und jetzt stehen zwei ganz unterschiedliche Interpretationen einer noch längst nicht vollständig erzählten Geschichte im Raum.

Die dominierende Interpretation ist die der oppositionellen Demokraten. "Der Präsident der Vereinigten Staaten hat Steuerzahler-Geld benutzt, um zum eigenen politischen Vorteil einen ausländischen Staatsmann zu erpressen." Dieser harsche Vorwurf stammt von der Frau, die das Amtsenthebungsverfahren auf den Weg gebracht hat: Nancy Pelosi, Fraktionschefin der Demokraten im Repräsentantenhaus.

Biden siegessicher und "nicht überrascht"

Nachdem nunmehr die Verschriftlichung des ausschlaggebenden Telefonats zwischen Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj sowie das Beschwerdeschreiben des sogenannten Whistleblowers vorliegen, steht für die Demokraten fest: Trump hat Selenskyj unter Druck gesetzt, um an Wahlkampfmunition gegen Joe Biden zu kommen, den derzeit aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten der Opposition.

Biden reagierte gestern noch siegesgewiss: "Es ist ziemlich klar, dass Trump vor nichts zurückschrecken wird, um an der Macht zu bleiben", sagte er und fügte an: "Nachdem 70 Umfragen nacheinander gezeigt haben, dass ich ihn schlagen werde, überrascht es nicht, dass er mich ins Visier genommen hat."

Fernsehspot nimmt Entscheidung aus Obama-Zeit ins Visier

Doch ganz so eindeutig, wie Biden und seine Parteifreunde tun, ist die Ukraine-Affäre nicht. Womit wir bei der zweiten Interpretation wären, der der Republikaner. Biden habe der Ukraine eine Milliarde Dollar versprochen, wenn sie den Ermittler rausschmeißen, der die Firma seines Sohnes unter die Lupe genommen hat - behauptet ein Fernsehspot, der seit gestern Abend ausgestrahlt wird.

Tatsächlich hat Bidens Sohn Hunter gegen fürstliches Salär für ein ukrainisches Energieunternehmen gearbeitet. Tatsächlich ist gegen den Eigner des Unternehmens, einen ukrainischen Oligarchen, ermittelt worden. Und tatsächlich hat Biden senior als Vizepräsident unter Obama mit dafür gesorgt, dass der Chefermittler entlassen wurde.

Das hehre Ziel der Korruptionsbekämpfung?

"Seit Präsident Trump die Ukraine gebeten hat, eine Korruptionsermittlung anzustellen, wollen die Demokraten ihn des Amtes entheben", heißt es in dem TV-Spot weiter. So sehen es Trumps Parteifreunde: Die Bitte an Selenskyj diente dem hehren Ziel der Korruptionsbekämpfung.

Dass Biden Schaden nimmt, wäre also nur eine Art zufälliger Nebeneffekt? Sicher nicht, aber es sind eben so viele Fragen über die Ukraine-Geschäfte der Bidens offengeblieben, wie über die Rechtmäßigkeit von Trumps Vorgehen. Beide Lager werden jetzt alle Energie darein stecken, ihre Interpretation mit neuen Fakten zu untermauern.

Ukraine-Affäre, Whistleblower, Impeachment – Rückblick auf eine turbulente Woche
Sebastian Hesse, ARD Washington
28.09.2019 11:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. September 2019 um 07:09 Uhr, 09:10 Uhr und 12:08 Uhr.

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