Überschwemmungen in Ccina nahe des Poyang Lake, in Poyang County | REUTERS

Unwetter in China Hochwasseralarm für Hunderte Flüsse

Stand: 15.07.2020 09:01 Uhr

141 Tote, Hochwasseralarm für 400 Flüsse - fast 40 Millionen Menschen sind von schweren Überschwemmungen in China betroffen. Rund 100.000 Helfer sind im Einsatz. Und ein Ende der Regenfälle ist nicht in Sicht.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Die Bilder gehen derzeit durch die chinesischen Staatsmedien: Soldaten in roten Rettungswesten, die an den Ufern des Yangtse-Flusses oder des Poyang-Sees Sandsäcke schleppen. Rund 100.000 Soldaten und Rettungskräfte wurden nach offiziellen Angaben für den Hochwasser-Schutz mobilisiert.

Axel Dorloff ARD-Studio Peking

Xu Xianbiao vom chinesischen Ministerium für Katastrophenschutz und Notfall-Management ist aus Peking in die südöstliche Provinz Jiangxi gekommen. Er blickt über den Poyang-See, der von einem südlichen Zufluss des Jangtse durchflossen wird. Drei Wochen dürfte der hohe Wasserstand des Sees noch anhalten, erwartet er. Das bedeutet für ihn:

Es hat jetzt oberste Priorität, die Fluten zu kontrollieren. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Deiche und Aufschüttungen halten - und gleichzeitig auf den Notfall vorbereitet sein.
Soldaten bauen am Poyang-See einen Damm aus Sandsäcken. | dpa

Kampf gegen die Fluten mit Sandsäcken: Etliche Soldaten sind am Poyang-See unermüdlich im Einsatz. Bild: dpa

So viel Regen wie seit 1961 nicht mehr

Der Poyang-See ist der größte Süßwassersee Chinas. Sein Wasserstand hat bereits den kritischen Wert von 1998 überschritten, als bei Überschwemmungen landesweit mehr als 3000 Menschen ums Leben kamen. Im ganzen Einzugsgebiet des Jangtse-Flusses hat es nach offiziellen Zahlen im Monat Juni so viel Regen gegeben wie seit 1961 nicht mehr.

Die Lage sei schwierig, sagte Chinas Vizeminister für Wasserressourcen, Ye Jianchun. "Die Warnschwelle für Hochwasser wurde seit Juni bereits an 433 chinesischen Flüssen überschritten, 109 davon befinden sich in höchster Alarmstufe. 33 Flüsse notieren ihre historisch höchsten Wasserstände."

Fast 40 Millionen Menschen sind von den Überschwemmungen bislang betroffen. Allein in der chinesischen Provinz Jiangxi wurden eine halbe Million Menschen bei Evakuierungen in Sicherheit gebracht. Helfer und Einsatzkräfte bringen Boote, Zelte und Klappbetten in die betroffenen Regionen.

Regenfront könnte nordwärts ziehen

Bislang sind das vor allem südchinesische Provinzen, aber das könne sich in der zweiten Juli- und ersten Augusthälfte ändern, warnt Chinas Vizeminister für Wasser-Ressourcen, Ye Jianchun. Die Regenfront, sagt er, könnte jetzt nordwärts ziehen, und dann werde es auch dort zu Überschwemmungen kommen, zum Beispiel am Fluss Huaihe. Die Folge:

Wir können uns also nicht nur auf die Kontrolle der Fluten im Süden konzentrieren, um Überschwemmungen und Brüche von Wasser-Reservoirs zu verhindern. Wir müssen auch den Norden Chinas künftig gegen zwei drohende Katastrophen wappnen: Trockenheit und Überschwemmungen.

Gerüchte, wonach auch die Stabilität der Dreischluchten-Talsperre nahe Chongqing in Gefahr sei, weisen chinesische Staatsmedien weiter zurück. Spekulationen darum gibt es jedes Jahr wieder. Aber eins scheint klar: Die Aussichten für die nächsten Tage sind nicht gut. Chinas Behörden warnen bereits vor neuen Niederschlägen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Juli 2020 um 11:00 Uhr.