Der australische Premierminister Scott Morrison | EPA

Australien zum U-Boot-Streit "Frankreich wird sich beruhigen"

Stand: 20.09.2021 10:18 Uhr

Wegen des Streits um den geplatzten Verkauf französischer U-Boote an Australien verschärft Paris die Rhetorik. Die Regierung in Canberra hingegen nimmt die Wut Frankreichs eher gelassen zur Kenntnis.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Der Begriff "historisch" erlebt gerade eine Inflation in Australien. Ob in der Medienberichterstattung über den Verteidigungspakt mit Amerikanern und Briten oder in der politischen Diskussion - stets ist von einem historischen Bündnis die Rede, und es schwingt eine Menge Stolz dabei mit.

Holger Senzel ARD-Studio Singapur

Die Wut Frankreichs,  die Vorwürfe von Vertrauensbruch und Lügen nimmt man in Canberra eher achselzuckend zur Kenntnis. Man verstehe, dass die Franzosen nun "bitter" seien,  hoffe aber, dass sie sich beruhigten. "Frankreich", so Premierminister Scott Morrison, "ist und bleibt für uns ein wichtiger Freund und Verbündeter, und wir werden auch künftig vertrauensvoll zusammenarbeiten". 

Fokus auf die AUKUS-Allianz

Der Abzug der französischen Botschafter aus Washington und Canberra zeigt, dass man diese Sichtweise in Paris nicht teilt. Australien allerdings lächelt das politische Erdbeben in Paris gelassen weg.

Erstens ist man sich durchaus bewusst, dass die Wut der Franzosen vor allem den USA gilt. Und zweitens sind Amerikaner und Briten den Australien ohnehin traditionell näher und die AUKUS-Allianz wichtig genug, um Abkühlungen im Verhältnis mit Frankreich hinzunehmen. 

Frankreich entgehen Milliarden

Für Australien geht es um ein Signal gegenüber China, das im Indopazifik zunehmend die Muskeln spielen lässt. Vorerst acht atomgetriebene U-Boote sollen mit amerikanischem Know-how in Adelaide gebaut werden. Keine atomar bewaffneten Boote wohlgemerkt, sondern von einem Kernreaktor angetriebene. Die sind leiser und können länger unter Wasser operieren als die konventionellen U-Boote, die Frankreich ursprünglich an Australien liefern sollte.

Frankreich entgehen durch die abgesagte Bestellung mehr als 56 Milliarden Euro. Dass französische Ambitionen in der Pazifikregion und verletzter Stolz für Paris viel schwerer wiegen, will man in Australien nicht sehen.  

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 20. September 2021 um 10:12 Uhr.