Le Pen und Macron während ihres letzten TV-Duells vor der Wahl | Bildquelle: REUTERS

TV-Duell Le Pen gegen Macron Hart, hässlich - und mit einem Sieger

Stand: 04.05.2017 10:39 Uhr

Kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl hat der linksliberale Kandidat Macron seine Favoritenrolle im Fernsehduell gegen die rechtsradikale Rivalin Le Pen untermauert. Die Diskussion war voller Aggressivität, die vor allem von Le Pen ausging. Laut einer Blitzumfrage fanden die Zuschauer Macron deutlich überzeugender.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Hörfunkstudio Paris

Es war hart, es war hässlich und bisweilen verloren die Moderatoren sogar die Kontrolle über das Spektakel. Aber es war auch sehr erhellend, wie die beiden Kandidaten miteinander umgingen. "Sie haben kein nationales Bewusstsein", giftete Marine Le Pen Richtung Emmanuel Macron, der wiederum gab zurück: "Erzählen Sie doch keine Dummheiten!"

Wer einen vernünftigen präsidialen Austausch über Positionen und Projekte erwartet hatte, wurde schwer enttäuscht. Die Kandidatin des rechtsextremen Front National hatte die Strategie der totalen Attacke gewählt. Von der ersten Minute griff sie den sozialliberalen Macron frontal an. "Er ist der Kandidat der wilden Globalisierung, der Prekarität, ein Steigbügelhalter der Großkonzerne", sagte sie.

Wieder und wieder hielt sie ihm seine Zeit in der Regierung unter dem unbeliebten Präsidenten François Hollande vor. "Herr Wirtschaftsminister, oder sollte ich besser sagen, Berater von Präsident Hollande?", nannte Le Pen ihn.

"Überhaupt keine Vorschläge"

Doch dann wies Macron sie ruhig und gefasst darauf hin, dass es bei der Debatte eigentlich um die Zukunft des Landes gehen sollte: "Sie antworten erstaunlicherweise auf keine Frage, Sie reden immer über die Vergangenheit und die anderen." Das sei gut so, weil die Franzosen so sähen würden, dass Le Pen "überhaupt keine Vorschläge" habe.

Das stimmte auch in weiten Teilen dieser Debatte. Vor allem auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Finanzpolitik war Marine Le Pen reichlich schlecht vorbereitet - ein Vorteil für Macron als ehemaliger Wirtschaftsminister. "Wissen Sie, im wahren Leben funktioniert das so nicht, vielleicht im Fernsehen, aber nicht im echten Leben", sagte er zu seiner Rivalin.

Kein Wort über genaue Modalitäten

Wer sich gefragt hatte, wie Marine Le Pen nun eigentlich mit Europa und dem Euro umgehen möchte, war am Ende ebenfalls recht ratlos. "Ich bin Europäerin, ich will Europa retten, es aus den Händen der EU befreien, die dabei ist, es umzubringen", hörte man da zwar, aber es gab kein Wort über die genauen Modalitäten des geplanten Ausstiegs aus Euro und EU - Le Pens Lieblingsprojekt.

Macron nannte das Vorhaben Le Pens, Franc und Euro parallel als Währungen in Frankreich einzuführen, schlicht tödlich, "was die Kaufkraft betrifft und Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit in der Welt".

Lediglich beim Thema Terrorismus konnte die Kandidatin des Front National mit ihren altbekannten Forderungen punkten: Abschiebung und Schließung der Grenzen. Neue Wählerschichten aber erschloss sie sich damit wohl nicht.

Frontalangriff zum Schluss

Macron hob sich seinen Frontal-Angriff für den Schluss auf. Nachdem Le Pen etwa zweineinhalb Stunden lang Beleidigung um Beleidigung auf den En-Marche-Kandidaten abgefeuert hatte, holte er zum großen Gegenschlag aus: Le Pens Partei sei die Partei der Affären, der Richterschelte und des Hasses: "Sie haben das System, das Sie anprangern, mitgeschaffen, weil Sie davon leben. Sie sind sein Parasit!" Das saß. Aber damit nicht genug:

"Sie sind nicht würdig, unsere Präsidentin zu sein. Frankreich hat etwas Besseres verdient, Sie haben nur den Hass, Ihr Projekt ernährt sich von Angst und Lügen. Das will ich nicht für Frankreich."

Wie es aussieht, will die Mehrheit der Franzosen das ebenfalls nicht. In der obligatorischen Blitzumfrage erklärten 63 Prozent, Macron sei in der Debatte überzeugender gewesen, Le Pen kam lediglich auf 34 Prozent.

Vorteil Macron - heftiger Schlagabtausch im TV-Duell mit Le Pen
B. Kostolnik, ARD Paris
04.05.2017 06:53 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 03. Mai 2017 um 22:15 Uhr und die tagesschau am 04. Mai 2017 um 12:00 Uhr.

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Barbara Kostolnik, WDR

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