Macron und Le Pen während ihres letzten TV-Duells vor der Wahl | Bildquelle: AFP

Vor Stichwahl in Frankreich Hartes TV-Duell mit scharfen Attacken

Stand: 04.05.2017 01:01 Uhr

Der Ton war mehr als rau: Die französischen Präsidentschaftskandidaten Macron und Le Pen haben sich im TV-Duell mit Vorwürfen überzogen. Le Pen warf Macron vor, ein "Steigbügelhalter der Großkonzerne" zu sein. Macron stellte die Rechtspopulistin als "Protestkandidatin ohne eigene Agenda" dar.

Wenige Tage vor der Stichwahl um das französische Präsidentenamt haben sich der links-liberale Favorit Emmanuel Macron und seine rechtsextreme Rivalin Marine Le Pen einen letzten Schlagabtausch geliefert. In dem live übertragenen TV-Duell vor der Wahl am Sonntag überzogen sich beide mit Vorwürfen, den Franzosen weder in der Wirtschafts- noch in der Sicherheitspolitik Antworten anzubieten.

Le Pen startete das Duell mit einem harten Angriff auf den Ex-Wirtschaftsminister, der früher für die Investmentbank Rothschild gearbeitet hatte. Sie warf ihm vor, in seiner Amtszeit unter dem scheidenden sozialistischen Präsidenten Francois Hollande französische Unternehmen an das Ausland verscherbelt zu haben. Macron sei ein "hämischer Banker", der für "soziale Brutalität" stehe. Sie beschuldigte ihn, ein Steigbügelhalter der Großkonzerne zu sein.

Macron wies die Anschuldigungen zurück und warf Le Pen seinerseits vor, keine tauglichen Vorschläge zu machen, wie die Arbeitslosigkeit verringert werden könne: "Sie erzählen Unsinn." Auch in der Sozialpolitik habe sie nichts zu bieten. So kosteten alleine ihre Rentenpläne 30 Milliarden Euro: "Das ist nicht zu finanzieren." Le Pen zeige außerdem, dass sie nicht gerade "die Kandidatin des Feingeistes" sei. Sie trage nicht nur den Nachnamen ihres Vaters, des umstrittenen Gründers des Front National, Jean-Marie Le Pen, sondern habe diesen auch politisch beerbt. Macron wiederum stellte die Rechtspopulistin als Protestkandidatin ohne eigene Agenda dar und warf ihr vor, Frankreich wegen ihrer Haltung gegen Muslime in einen Bürgerkrieg zu stürzen.

Schlagabtausch in der Ausländer- und Sicherheitspolitik

Heftig aneinander gerieten die beiden auch in der Ausländer- und Sicherheitspolitik. Le Pen warf Macron vor, islamischem Fundamentalismus Vorschub zu leisten. Macron konterte, Le Pen verunglimpfe Menschen wegen ihrer Religion und ihrer Herkunft. Als Präsident und Oberbefehlshaber werde er unerbittlich gegen Islamisten vorgehen. Le Pen dagegen gehe den Islamisten in die Falle, die Frankreich in einen Bürgerkrieg stürzen wollten. Auf den Vorwurf, sie wolle die Gesellschaft spalten, erwiderte sie: "Das ist doch immer die alte Litanei." Bei Anschlägen sind in Frankreich seit 2015 mehr als 230 Menschen gestorben.

Umfrage: Macron überzeugender

Macron schnitt laut einer Umfrage deutlich besser als seine Kontrahentin Le Pen ab. 63 Prozent der befragten Zuschauer hätten den sozialliberalen Kandidaten überzeugender gefunden, berichtete der Sender BFMTV in der Nacht. 34 Prozent fanden die Rechtspopulistin Le Pen überzeugender. Das Institut Elabe hatte im Auftrag des Senders 1314 Zuschauer der zweieinhalbstündigen Debatte befragt.

Macron hatte die erste Runde der Präsidentschaftswahl am 23. April, in der elf Kandidaten angetreten waren, mit einem Vorsprung von drei Punkten vor Le Pen gewonnen. In der zweiten Runde wird er vom unterlegenen konservativen Kandidaten Francois Fillon und dem ebenfalls ausgeschiedene Sozialisten Benoit Hamon unterstützt. Er kann einer Umfrage zufolge auch auf die Stimmen von einem Drittel der Anhänger des radikalen Linken Jean-Luc Melenchon zählen. Allerdings wollen zwei Drittel der Melenchon-Anhänger ungültig oder gar nicht wählen. Auch im Fillon-Lager wissen viele Wähler nicht, wem sie am Ende ihre Stimme geben.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 03. Mai 2017 um 00:04 Uhr.

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