Donald Tusk bei seiner Rede vor der EVP-Versammlung | Bildquelle: dpa

Konservative in der EU Tusk wird neuer EVP-Chef

Stand: 20.11.2019 21:54 Uhr

Das Bündnis der konservativen Parteien in der EU wird künftig von Donald Tusk geführt. Der designierte EVP-Chef attackierte in einer Rede die Politik des ungarischen Staatschef Orban.

Der scheidende EU-Ratspräsident Donald Tusk wird neuer Chef der Europäischen Volkspartei (EVP). Die Delegierten der konservativen Parteienfamilie, zu der auch CDU und CSU gehören, wählten den Polen in Zagreb. Die EVP gab die Zustimmung mit 93 Prozent an. Tusk tritt sein Amt am 1. Dezember an. Am Tag zuvor scheidet er als EU-Ratspräsident aus.

Deutliche Kritik an Orban

Plakat einer Fidesz-Kampagne, das Soros und Juncker zeigt | Bildquelle: AP
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Orbans Fisdesz-Partei denunzierte den damaligen EU-Kommissionschef Juncker.

In seiner Bewerbungsrede hatte Tusk die Politik des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban attackiert. Ohne Orban namentlich zu nennen, setzte Tusk mehrere Seitenhiebe gegen die ungarische Politik - darunter die Abkehr von der liberalen Demokratie, der Bau eines Grenzzauns gegen Migranten und eine Plakatkampagne gegen Migration.

"Wir müssen das beenden", sagte Tusk. "In einem politischen Kampf können Wahrheit und Würde nicht vollkommen hilflos stehen gegen Fake News, Manipulationen und Hass." Orbans Fidesz-Partei ist Mitglied der EVP, doch ist diese Mitgliedschaft seit März wegen innerparteilicher Kritik suspendiert.

Tusk sagte, in der Debatte innerhalb der EVP gehe es darum, Freiheit und Demokratie zu verbinden sowie Sicherheit mit liberaler Demokratie: "Wir werden unsere Werte wie bürgerliche Freiheiten, Rechtsstaatlichkeit und Anstand im öffentlichen Leben nicht auf dem Altar von Sicherheit und Ordnung opfern, denn dafür gibt es keine Notwendigkeit, weil beide sich nicht gegenseitig ausschließen. Wer das nicht akzeptieren kann, stellt sich de facto außerhalb unserer Familie."

Hintergrund der Suspendierung von Fidesz war die wachsende Kritik in der EVP an Orbans "illiberaler Demokratie", aktueller Anlass damals eine Plakatkampagne gegen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, der ebenfalls der EVP angehört. In den nächsten Wochen soll ein innerparteiliches Gremium eine Empfehlung abgeben, ob und wie Fidesz weiter EVP-Mitglied sein kann.

Kritik an Aussetzung der Beitrittsgespräche

Die EVP diskutierte zudem über die Erweiterungspolitik. Die Weigerung, offizielle EU-Beitrittsgespräche mit Nordmazedonien und Albanien einzuleiten, sei ein "strategischer Fehler", sagte der scheidende EVP-Chef Joseph Daul. Die Länder des Westbalkans benötigten "eine klare europäische Perspektive".

Tusk, hatte die ausbleibenden Beitrittsverhandlungen am Vorabend als "große Enttäuschung" bezeichnet. Auch der Gastgeber des Parteitags, der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic, plädierte für eine rasche Aufnahme von Beitrittsgesprächen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2019 um 22:00 Uhr.

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