"Les Dunes Electroniques" ein Festival für elektronische Musik in der Wüste im Westen von Tunesien. | Bildquelle: AFP

Tourismus in Tunesien Elektrobeats in der Wüste

Stand: 21.11.2019 17:22 Uhr

Blutige Terroranschläge in den vergangenen Jahren schreckten die Menschen vor einem Urlaub in Tunesien ab. Doch nun kommen wieder mehr Touristen. Sie werden nicht nur an die Strände gelockt, sondern auch in die Wüste.

Von Aydogan Makasci, ARD-Studio Rabat

Für Tunesien war 2015 ein schwarzes Jahr: Anschläge auf das Bardo-Museum in Tunis und ein Hotel am Strand der Hafenstadt Sousse, mehr als 60 getötete Menschen. Inzwischen sieht die Branche wieder optimistischer nach vorne. Immer mehr Touristen kommen ins Land

Eine Bühne irgendwo im Sand, Tausende tanzende Menschen, aus den Boxen hämmert Elektro-Musik. Mitten drin: Leopold Poignant, ein Tourist aus Frankreich, eingepackt in einen dicken Schal. Denn abends wird es ganz schön kalt in der Wüste, vor den Toren von Nefta im Westen von Tunesien. "Ich hatte schon von dem Festival gehört, ich wollte schon immer mal hier her, es hatte aber nicht geklappt", sagt er der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Das Leben kommt zurück

Es ist die erste Auflage des Festivals "Les Dunes Électroniques" seit drei Jahren - für die Region ein gutes Zeichen. Das Leben kommt zurück nach einigen Jahren der Flaute, und damit auch die Touristen.

"Les Dunes Electroniques" ein Festival für elektronische Musik in der Wüste im Westen von Tunesien. | Bildquelle: AFP
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Das Festivals "Les Dunes Électroniques" zieht Tausende Leute in die Wüste. Die Regierung fördert solche Veranstaltungen gezielt.

Für Tourismus-Manager Yasser Souf sind solche Veranstaltungen ein ganz wichtiger Baustein. "Es ist sehr gut, dass das zuständige Ministerium solche Festivals unterstützt. Das lockt Touristen nach Tunesien und hier in die Region. Gerade solche Festival-Besucher sind echt gute Kunden."

Um bis zu 30 Prozent sei die Tourismus-Branche in der Region in den vergangen Jahren gewachsen, erzählt er.

Nicht überall floriert das Geschäft

Das zeigt sich auch auf den Straßen der nahen Stadt Tozeur: Mit Kameras um den Hals und Sonnenbrillen auf der Nase schlendern die Menschen zwischen Kleinkunst- und Gewürzständen umher, bleibe stehen, kaufen ein.
 
Der Kutscher Salah Akkoun beobachtet das Treiben vom Straßenrand, hinter ihm feixen ein paar Kollegen. Die Geschäfte liefen nach dünnen Jahren wieder besser, sagt er, aber er sieht auch noch Luft nach oben.

 "Ja, es war schon mal schlimmer, aber in Tozeur bekommen wir nicht so viel davon mit, dass der Tourismus wieder da ist", sagt er. Oft sähen sie die Urlauber erst gar nicht. Denn die Touristenbusse durchfahren die Stadt einfach.

Acht Millionen Touristen im Jahr 2018

Busse auf dem Weg zu den wichtigsten Touristen-Hotspots. Etwa die Drehorte der Star-Wars-Filme in der Wüste, wo Regisseur George Lucas sich austobte.

Mehr als acht Millionen Touristen kamen 2018 nach Tunesien, fast so viele wie im Jahr 2010 vor dem politischen Umbruch. Hotels öffnen wieder, neue entstehen, mit strengen Sicherheitskonzepten.

Zwei Jungen verkaufen Souvenirs beim ehemaligen Filmset von Star Wars in Nefta, Tunesien. | Bildquelle: Reuters
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Zwei Jungen verkaufen Souvenirs beim ehemaligen Filmset von Star Wars nahe der Stadt Nefta. Der Drehort ist einer der Hot Spots des tunesischen Tourismus.

Für den jüngsten Aufschwung gibt es viele Gründe, sagt der Tourismus-Manager Souf. "Das liegt zum einen an der guten Strategie des Ministeriums und den Werbemaßnahmen. Das liegt aber auch an der Verbesserung der Sicherheit in Tunesien, vor allem im Süden des Landes."

Intensive Einlass-Kontrollen

Auch das Festival-Gelände in der Wüste ist umstellt mit hohen Bauzäunen, an den Eingängen werden die Besucher intensiv kontrolliert. Die Security-Kräfte wirken bei ihrer Arbeit entspannt. Der große Aufwand sorgt bei der französischen Touristin Adèle Lefevre für gemischte Gefühle.

 "Es sind wirklich viele Sicherheitskräfte hier, das macht auch ein bisschen Angst", sagt sie. Bei so vielen Sicherheitsleuten ist sie allerdings zuversichtlich, dass nichts passieren wird. Die Stimmung sei entspannt, sagt Lefevre.

"Les Dunes Electroniques" ein Festival für elektronische Musik in der Wüste im Westen von Tunesien. | Bildquelle: AFP
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Zwei Tage lang dauert das Festival "Les Dunes Electroniques". Sicherheitskräfte kontrollieren die Eingänge.

Auf der Bühne hinter der Frau in ihrem dicken Fleece-Pulli leuchten blaue und gelbe Scheinwerfer, eine gigantische Lichtshow, mitten im Nirgendwo der Wüste. Das Leben ist zurück im tunesischen Westen, Kultur- statt Badetourismus, eine der wichtigsten Branchen des Landes will sich in Zukunft breiter aufstellen.

Elektrobeats und Party in der Wüste: Aufschwung für Tourismus in Tunesien
Aydogan Makasci, ARD Rabat
21.11.2019 16:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. November 2019 um 05:54 Uhr.

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