Das leere Hotel Imperial Marhaba in Tunesien

Ein Jahr nach dem Terror-Anschlag in Tunesien Imperial Marhaba hofft auf Rückkehr der Touristen

Stand: 26.06.2016 11:55 Uhr

Der Anschlag hat Tunesien hart getroffen: Ein Attentäter ermordete vor einem Jahr 38 Touristen. Etwa 40 Menschen wurden verletzt. Seither steckt der für Tunesien wichtige Tourismus-Sektor tief in der Krise. Aber es gibt auch Hoffnung. Ein Besuch im Hotel Imperial Marhaba ein Jahr nach dem Anschlag.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Es ist ein Freitagmorgen, kurz vor Mittag. Über den Strand vor dem Hotel Imperial Marhaba kommt ein junger Mann in schwarzem T-Shirt und kurzer Hose auf die Badegäste zu und eröffnet das Feuer. 38 Menschen sterben.

Die Polizei kommt erst eine halbe Stunde, nachdem das Inferno begonnen hat. Augenzeugen sagen später: "Wir lagen am Pool und plötzlich haben wir es so richtig knallen gehört. Wir hatten Todesangst – wir wollten nur noch weg."

Kaum noch Touristen nach dem Attentat

Der Hotel-Direktor Mehrez Saadi stand damals an der Rezeption. Er hielt die ersten Schüsse für Fehlzündungen von Strandbuggys. Dann ging er auf die Terrasse hinaus und wurde fast von den fliehenden Hotelgästen überrannt. "Ich werde das nie vergessen", sagt Saadi heute.

Er führt durch das Hotel Imperial Marhaba, das seit Monaten geschlossen ist. Früher war eine Auslastung von 85 % der Zimmer normal. Nach dem Attentat kamen kaum noch Gäste.

Saadi macht dafür auch die Reise-Warnungen europäischer Staaten für Tunesien verantwortlich: "Damit tragen sie dazu bei, die Menschen, die Angestellten zu bestrafen."

Gedenktafel mit Namen der getöteten Mitarbeiter des Imperial Marhaba Hotels
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Gedenktafel mit Namen der getöteten Mitarbeiter des Imperial Marhaba Hotels.

Terrorismus gibt es mittlerweile überall

Im Marhaba Imperial haben einige Mitarbeiter ihre Arbeit verloren. Viele andere konnten allerdings bleiben. Einige von ihnen halten das Imperial instand, das im kommenden Jahr wieder eröffnet werden soll. Andere Mitarbeiter sind auf zwei Hotels verteilt worden, die derselben Eigentümer-Familie gehören.

Mohamed Becheur kümmert sich um das Management dieser drei Hotels. Becheur sagt, zwei von ihnen seien mittlerweile wieder gut ausgelastet: "Mittlerweile spüren wir einen Aufwärtstrend. Die Menschen beginnen zu verstehen, dass es überall Terrorismus gibt." Tunesien sei zwar nicht risikofrei, aber eben auch nicht gefährlicher als andere Länder wie Frankreich, Belgien, Spanien oder Italien, so Becheur.

Das leere Hotel  Imperial Marhaba in Tunesien
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Die 60-Jährige Khadidja ist im Moment die einzige Reinigungskraft im Imperial Marhaba Hotel. "Wir werden wahrscheinlich im kommenden Jahr wiedereröffnen", sagt sie.

Die Angst ist geblieben

Die Polizei ist überall in Port El-Kantaoui. Vor jedem Hotel und an vielen Straßenkreuzungen. Momentan kommen vor allem russische Touristen her. Deutsche sind am Strand kaum zu finden. "Warum soll ich denn Angst haben? Die Menschen wollen doch ihre Arbeit haben.", sagt einer der wenigen, die sich hergetraut haben.

An der Straße vor dem Hotel Imperial Marhaba wartet Salem Ben Youssef in einem kleinen Souvenir-Laden auf Kunden. Heute kam noch keiner. Natürlich ist nach dem Anschlag die Angst geblieben, sagt Youssef: "Wenn ich auch für mich selbst keine Angst habe, sorge ich mich ja um die Kunden." Viele in dem Ort würden nicht mehr im Tourismus arbeiten. Youssef müsse jedoch seine Familie versorgen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juli 2017 um 13:30 Uhr.

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