Kais Saied, neuer Präsident Tunesiens | Bildquelle: REUTERS

Entscheidung in Stichwahl Parteiloser wird Präsident Tunesiens

Stand: 14.10.2019 19:23 Uhr

Vor allem die jungen Wähler haben sich für ihn entschieden: Kais Saied wird neuer Präsident Tunesiens. 72,7 Prozent der Stimmen entfielen auf ihn. Er ist parteilos und plant ein basisdemokratisches Regierungssystem.

Der parteilose Jurist Kais Saied ist offiziell zum Sieger der Stichwahl um das Präsidentenamt in Tunesien erklärt worden. Dies gab die Wahlbehörde in Tunis bekannt.

Demnach erhielt Saied 72,7 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sein Gegenkandidat Nabil Karoui kam lediglich auf 27,3 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 55 Prozent der gut sieben Millionen registrierten Wähler.

Freude bei einer Demonstration in Tunis nach der Präsidentenwahl | Bildquelle: REUTERS
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Anhänger des neuen Präsidenten feiern auf der Straße in Tunis.

Gewählt vor allem von jungen Tunesiern

Wie im ersten Wahlgang, in dem Saied 18,4 Prozent der Stimmen geholt hatte, stimmten vor allem junge Wähler für ihn. Ersten Umfragen eines privaten Umfrageinstituts zufolge entschieden sich 90 Prozent der 18- bis 25-jährigen Wähler für ihn.

Sein Gegenkandidat Karoui hatte bereits am Sonntagabend die Tatsache, dass er keinen Wahlkampf führen konnte, für seine Niederlage verantwortlich gemacht. Er hatte seit Ende August wegen Vorwürfen der Geldwäsche und Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft gesessen und war erst am Mittwoch vergangener Woche freigekommen. Karoui gratulierte Saied bereits zu dessen Sieg. Ob er das Ergebnis anfechten wird, ist noch offen.

Tunesien: Parteiloser Kandidat Saied gewinnt
tagesschau 07:00 Uhr, 14.10.2019

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"Ein neues Tunesien"

"Die Tunesier haben heute der ganzen Welt eine Lektion erteilt", sagte Saied auf einer Pressekonferenz am Sonntagabend nach Schließung der Wahllokale. "Es ist ein neues Konzept einer Revolution innerhalb des Verfassungsrahmens." Der Staat werde weiter zu seinen Verpflichtungen stehen und sich an alle Regeln halten, betonte Saied. "Heute bauen wir unsere eigenen Möglichkeiten: ein neues Tunesien. 2010 haben die Menschen gerufen: Wir wollen! Und heute erreicht ihr, was ihr wollt."

Saied, der gesellschaftlich konservative Positionen vertritt, plant nach eigenen Angaben die Einführung eines dezentralen, basisdemokratischen Regierungssystems.

Etablierte Parteien bei Parlamentswahlen "abgestraft"

Ein tiefgreifender Umbruch ist in Tunesien in Gang: Innerhalb weniger Wochen wurden sowohl der Präsident als auch das Parlament neu gewählt. Bei der Parlamentswahl in der vergangenen Woche wurden die bislang etablierten Parteien deutlich abgestraft.

Die moderat islamistische Ennahda sicherte sich zwar 52 der insgesamt 217 Sitze im Parlament, verlor aber deutlich an Zuspruch. Auf Platz zwei folgte die von Präsidentschaftskandidat Karoui neu gegründete Partei "Kalb Tounes" (Herz von Tunesien) mit 38 Sitzen. Beide Parteien schließen eine Koalition aus. Das Parlament ist stark zersplittert, was eine Regierungsbildung nach Ansicht von Beobachtern schwierig machen könnte.

Proteste wegen wirtschaftlicher Probleme

Tunesien hatte nach dem sogenannten Arabischen Frühling vor acht Jahren zwar tiefgreifende demokratische Reformen eingeleitet. Das Land kämpft aber mit großen wirtschaftlichen Problemen und hoher Arbeitslosigkeit. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist groß. Immer wieder kommt es zu Protesten.

Tunesien neuer Mann: Präsident Kais Saied gewählt
Dunja Sadaqi, ARD Rabat
14.10.2019 06:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 14. Oktober 2019 um 19:00 Uhr.

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