Tunesische Fischerboote im Hafen von Zarzis | Bildquelle: AFP

Dutzende Tote befürchtet Flüchtlingsschiff kentert im Mittelmeer

Stand: 04.07.2019 22:24 Uhr

Ein Flüchtlingsschiff aus Libyen ist vor Tunesiens Küste gekentert. Rettungsorganisationen befürchten mehr als 80 Tote. Fischer konnten bisher vier Überlebende retten. Einer von ihnen starb jedoch über Nacht.

Nach einem Bootsunglück vor der tunesischen Mittelmeerküste befürchtet die Internationale Organisation für Migration (IOM) Dutzende Tote. An Bord sollen 86 Menschen gewesen sein. Tunesische Fischer hätten das sinkende Boot entdeckt und hätten vier Männer retten können, teilte IOM-Sprecherin Lorena Lando mit. Die Havarie habe sich am Mittwochabend vor der tunesischen Stadt Zarzis ereignet. Wie der Rote Halbmond aus dem tunesischen Medenine mitteilte, sei einer der Geretteten inzwischen verstorben.

82 Menschen könnten gestorben sein

Laut IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo ist die Informationslage unübersichtlich. Allerdings bestehe die Gefahr, dass 82 Menschen ums Leben gekommen seien. Sie alle gelten noch als vermisst.

Die Migranten waren Di Giacomo zufolge am Montag von Libyen aus gestartet. Die Küstenwache aus dem benachbarten Tunesien sucht noch nach Überlebenden.

Mediterranea rettet 54 Schiffbrüchige vor Libyen

Vor der Küste Libyens ging eine weitere Flüchtlingsepisode dagegen wohl glimpflich aus: Die italienische Organisation Mediterranea Saving Humans meldete, sie habe 54 Schiffbrüchige gerettet. Unter ihnen seien vier Kinder und drei Schwangere. Die libysche Küstenwache sei zu spät gekommen. "Jetzt brauchen wir einen sicheren Hafen", schrieben die Seenotretter auf Facebook.

Prompt machte Italiens Innenminister Matteo Salvini auf Twitter seine Haltung einmal mehr klar. Das Schiff befinde sich näher an Tunesien als an Lampedusa, schrieb er. Er erklärte, die Migranten seien in libyschen Hoheitsgewässern gerettet worden. Das Segelschiff von Mediterranea dürfe deshalb nicht in Italien anlegen. "Wenn diese Nichtregierungsorganisation wirklich die Sicherheit der Migranten im Sinn hat, muss sie den nächstliegenden Hafen ansteuern", schrieb Salvini.

Helfer wollen keine Häfen in Tunesien und Libyen ansteuern

Die Organisation lehnt es ab, die Geretteten zurück nach Libyen zu bringen. Dem nordafrikanischen Land werden schwere Menschenrechtsverletzungen und Folter in Gefangenenlagern für Flüchtlinge vorgeworfen. Einen tunesischen Hafen will die Organisation ebenfalls nicht ansteuern.  Tunesien hatte seine Häfen kürzlich über mehrere Wochen für aus Seenot gerettete Migranten gesperrt. Erlaubt war ihnen die Anlandung nur unter der Bedingung, dass sie sofort in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt würden. Die Möglichkeit, Asyl in Tunesien zu beantragen, wurde ihnen nicht gewährt.

Das Mittelmeer zwischen dem nordafrikanischen Bürgerkriegsland Libyen und Italien gehört weiter zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. In diesem Jahr starben dort laut IOM bereits mehr als 340 Menschen bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen. Noch im Mai kamen 65 Flüchtlinge bei einem Bootsunglück vor der tunesischen Küste ums Leben.

Vermutlich Dutzende Migranten vor Tunesien ertrunken
Marc Dugge, ARD Madrid
04.07.2019 17:45 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Juli 2019 um 17:00 Uhr.

Darstellung: