Anhänger der islamisch-konservative Partei Ennahda feiern in Tunis. | Bildquelle: REUTERS

Kommunalwahl in Tunesien Umfragen sehen Islamisten vorn

Stand: 07.05.2018 02:53 Uhr

Die ersten Kommunalwahlen in Tunesien nach der Revolution von 2011 sollten die junge Demokratie stärken. Doch die geringe Wahlbeteiligung hilft offenbar vor allem der islamistisch-konservativen Partei.

Bei den ersten Kommunalwahlen in Tunesien nach der Revolution 2011 sehen Umfragen die islamisch-konservative Partei Ennahda (Wiedergeburt) vorn. Die Partei von Philosoph und Prediger Rached Ghannouchi habe in den Umfragen landesweit 27,5 Prozent der Stimmen bekommen, hieß es im tunesischen Staatsfernsehen. Anhänger der sich selbst als Muslimdemokraten bezeichnenden Partei Ennahda feierten spontan in den Straßen der Hauptstadt Tunis.

Geringe Wahlbeteiligung

Nach den dort präsentierten Zahlen des Meinungsforschungsbüros Sigma Conseil lag die Partei von Staatspräsident Beji Caid Essebsi und Regierungschef Youssef Chahed dahinter mit 22,5 Prozent. Die weiteren Parteien folgten abgeschlagen, waren aber auch nicht in allen Gemeinden angetreten.

Die Hoffnungen auf eine rege Wahlbeteiligung enttäuscht. Lediglich 33,7 Prozent der überhaupt registrierten Wähler hatten sich an der Abstimmung beteiligt, wie die offizielle Wahlkommission ISIE mitteilte. Bereits am vergangenen Wochenende durften erstmals auch Angehörige der Sicherheitskräfte und des Militärs wählen. Dort lag die Wahlbeteiligung bei lediglich zwölf Prozent.

Wirtschaftliche Probleme

Tunesien gilt als Ursprungsland des sogenannten Arabischen Frühlings. In vielen Gemeinden waren unabhängige Listen gegen die etablierten Parteien angetreten. Die Unzufriedenheit mit der Politik ist groß. Trotz demokratischer Reformen kämpft das nordafrikanische Land mit wirtschaftlichen Problemen. Anfang des Jahres kam es zu landesweiten Protesten und Ausschreitungen.

Die Kommunalwahlen sind Teil der Dezentralisierung und der politischen Reform des Landes. Die Kommunen sollen dadurch mehr Kompetenzen bekommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Mai 2018 um 05:45 Uhr.

Darstellung: