Idil Eser, Direktorin der türkischen Sektion von Amnesty International | Bildquelle: dpa

Amnesty-Mitarbeiter Türkei nimmt Menschenrechtler fest

Stand: 06.07.2017 11:26 Uhr

Die türkische Polizei hat offenbar die dort zuständige Direktorin von Amnesty International festgenommen. Laut der Menschenrechtsorganisation wurden neben Idil Eser zehn weitere Menschen festgesetzt - unter ihnen auch ein Deutscher.

Es gibt neue Festnahmen in der Türkei - und diesmal sind offenbar mehrere Menschenrechtler betroffen. Wie Amnesty International (AI) mitteilte, wurde unter anderem die Direktorin der türkischen AI-Sektion, Idil Eser, festgesetzt. Die Polizeiaktion sei in einem Hotel auf der Insel Büyükada erfolgt, während eines Workshops zum Thema "Digitale Sicherheit und Informationsmanagmement".

Insgesamt offenbar elf Festnahmen

Neben Eser seien sieben weitere Menschenrechtler festgenommen worden sowie zwei Referenten und der Besitzer des Hotels. Laut Amnesty stammt einer der beiden Referenten aus Deutschland.

Offizielle Angaben der türkischen Polizei gibt es bisher nicht. Der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty, zeigte sich empört über das Vorgehen der Justiz. Die Gruppe sei ohne Grund bei einem Routineseminar festgenommen worden und habe keinen Kontakt zu Anwälten oder Angehörigen aufnehmen dürfen.

Amnesty-Appell an G20

Shetty appellierte an die Teilnehmer des G20-Gipfels, vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan die Freilassung von inhaftierten Menschenrechtlern zu fordern. Die Lenker der Welt seien bislang bemerkenswert tolerant gegenüber dem Abbau der Menschenrechte in der Türkei, kritisierte er.

Seit dem Putschversuch vor knapp einem Jahr sind in der Türkei Zehntausende ins Gefängnis gekommen. 150.000 Menschen wurden wegen mutmaßlicher Untertützung der Putschisten entlassen oder suspendiert.

Stellungnahme im Fall Yücel gefordert

Deniz Yücel
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"Welt"-Korrespondent Deniz Yücel sitzt seit Mitte Februar im Gefängnis.

Seit rund vier Monaten ist auch der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel in Haft. Ihm wird Terrorpropaganda vorgeworfen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) forderte die türkische Regierung laut einem Zeitungsbericht auf, eine Stellungnahme zum Fall Yücel abzugeben. Der 43-Jährige Deutsch-Türke hatte Anfang April Beschwerde beim EGMR gegen seine Inhaftierung eingereicht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Juli 2017 um 09:40 Uhr.

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