US-Militärfahrzeuge fahren eine Straße in Syrien entlang. | Bildquelle: dpa

Türkei vor Einmarsch US-Truppen verlassen Nordsyrien

Stand: 07.10.2019 13:16 Uhr

Die Türkei steht offenbar vor einem Einmarsch in Syrien. Die USA kündigten an, ihre Truppen zurückzuziehen. Damit ist der Weg für eine türkische Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG frei.

Von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Nach Angaben aus Washington haben die USA bereits zwei Beobachtungsposten nahe der nordsyrischen Grenzstadt Tel Abyad geräumt. Auf der anderen Seite der Grenze brachte die türkische Armee am Wochenende Geschütze in Stellung. Am Abend hatten der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und sein US-amerikanischer Amtskollege Donald Trump miteinander telefoniert. Erdogan sagte vor seinem Abflug zu einem Staatsbesuch in Serbien am Montagvormittag: "Nach unserem Telefonat gestern Abend hat der Abzug amerikanischer Soldaten in der Region begonnen."

Abzug von US-Truppen aus Nordsyrien
mittagsmagazin, 07.10.2019, Oliver Mayer-Rüth, Istanbul

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Alleingang der Türkei

Bei dem Gespräch mit Trump hat Erdogan nach Angaben des türkischen Präsidialamtes seinem Ärger über die USA Luft gemacht. Eigentlich hatten die Türkei und die USA vereinbart, die Idee der Sicherheitszone gemeinsam umzusetzen. So gab es beispielsweise am Freitag die dritte Patrouillenfahrt im Verbund amerikanischer und türkischer Soldaten.

Doch Erdogan ging das nicht schnell genug. Er fühlte sich zunehmend hingehalten: "Wir haben jeden möglichen Weg versucht, um die Probleme an der türkisch-syrischen Grenze mit unseren Verbündeten gemeinsam zu lösen. Wir sind extrem geduldig gewesen." Die Türkei habe keinen einzigen Tag mehr zu verlieren, so Erdogan. "Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem uns nichts anderes übrig bleibt, als unseren eigenen Weg zu gehen."

US-Truppen schützen Kurdenmiliz nicht mehr

Die Offensive richtet sich gegen die Kurdenmiliz YPG, die bisher gemeinsam mit den USA das Gebiet kontrolliert und deren Verbündeter im Kampf gegen die Terrormiliz IS war. Heute Vormittag hieß es aus Washington jedoch, die USA hätten den Kommandeur der kurdischen Kräfte in Syrien darüber informiert, dass die USA die Kurden nicht mehr vor türkischen Angriffen schützen werde.

Flüchtlinge sollen in Sicherheitszone

Ziel der Operation mit dem Namen "Quelle des Friedens" soll die Einrichtung einer sogenannten Sicherheitszone östlich des Euphrat sein - über 480 Kilometer bis zur irakischen Grenze. Erdogan möchte dort rund eine Million syrische Flüchtlinge aus der Türkei und eine weitere Million aus anderen Teilen Syriens ansiedeln.

Außerdem geht es darum, die Kurdischen Milizen von der Grenze zu vertreiben und damit einen Keil zwischen die Kurden in Syrien und der Türkei zu treiben. Ankara spricht in diesem Zusammenhang von legitimen Sicherheitsinteressen.

Die USA machten klar, dass die Türkei damit auch zuständig sei für Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat", die in den vergangenen zwei Jahren gefangen genommen wurden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte spricht von gut 8000 Kämpfern aus 54 Ländern.

Erdogan sagte dazu am Vormittag: "Die kursierenden Zahlen sind übertrieben. Bekanntermaßen gibt es gefangene IS-Kämpfer aus unterschiedlichsten Ländern, zum Beispiel aus Frankreich und Deutschland." Die USA hätten mehrfach betont, dass sie die Kontrolle über diese Gefangenen nicht länger alleine übernehmen wollen.

Lokale Milizien an türkischer Grenze

Die Türkei dürfte bei ihrer Offensive auf Widerstand stoßen. Das kündigte der Sprecher der Syrischen Demokratischen Kräfte SDF, Mustafa Bali, auf Twitter an. Bei den Gesprächen über eine Sicherheitszone hatte sich die YPG, die der dominante Teil der SDF ist, zwar bereiterklärt, aus dem Grenzgebiet zur Türkei zurückzuziehen. Allerdings traten an ihre Stelle lokale Milizen. 

Der türkische Verteidigungsexperte Abdullah Agar warnt davor, die militärischen Fähigkeiten dieser Milizen zu unterschätzen. "Die Rede ist von mindestens 65.000 Kämpfern. Manche sprechen sogar von bis zu 110.000. Es stellt sich die Frage, wieviel der Waffen eingesetzt werden können, die die USA der YPG zur Verfügung gestellt hat." Das seien unter anderem ferngesteuerte Flugabwehrraketen und Panzer-Abwehrraketen.

Trump und Erdogan hatten am Abend vereinbart sich im November zu treffen, um über die Sicherheitszone zu sprechen. Doch solange dürfte die Türkei zumindest mit einer begrenzten Offensive nicht warten.

USA machen den Weg für türkische Offensive in Syrien frei
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
07.10.2019 11:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Oktober 2019 um 12:00 Uhr.

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