Pastor Andrew Brunson  | Bildquelle: dpa

Festgehaltener US-Pastor USA verhängen Sanktionen gegen Türkei

Stand: 02.08.2018 06:27 Uhr

Im Fall des in der Türkei inhaftierten und nun unter Hausarrest gestellten US-Pastors Brunson verhängt die US-Regierung Sanktionen gegen zwei türkische Minister. Die Türkei kündigte Vergeltung an.

Die USA haben mit der Verhängung von Sanktionen auf das Vorgehen der türkischen Justiz gegen den US-Pastor Andrew Brunson reagiert. Die vom Weißen Haus in Washington verkündeten Strafmaßnahmen betreffen die beiden türkischen Minister für Justiz und Inneres. "Beide haben führende Rollen bei der Inhaftierung und Festnahme von Pastor Brunson gespielt", sagte US-Präsidentensprecherin Sarah Sanders. Durch die Sanktionen werden die Vermögen der Minister in den USA eingefroren, außerdem dürfen US-Bürger keine Geschäfte mit ihnen abschließen. 

Sanders bezeichnete Brunson als "Opfer", das einer "unfairen und ungerechtfertigten" Verfolgung durch die türkischen Behörden ausgesetzt sei. "Wir sehen keine Beweise dafür, dass Pastor Brunson irgendetwas falsch gemacht hat."

Im Oktober 2016 war Brunson festgenommen worden, wenig später wurde Untersuchungshaft gehen ihn verhängt. Die Türkei wirft ihm vor, Verbindungen zur verbotenen türkischen Arbeiterpartei PKK, und zur Bewegung des Predigers Gülen zu haben. Gülen lebt in den USA im Exil - er wird für den Putschversuch in der Türkei vor etwa zwei Jahren verantwortlich gemacht.

Fethullah Gülen | Bildquelle: dpa
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Der Prediger Gülen lebt in den USA.

Türkei will nicht nachgeben

Die Türkei verurteilte die US-Sanktionen scharf und forderten die USA auf, die Entscheidung zurückzunehmen. Die Entscheidung werde den Bemühungen um die Verbesserung der Beziehungen "großen Schaden" zufügen, teilte das Außenministerium in Ankara mit. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu schrieb auf Twitter, die US-Sanktionen würden nicht ohne Antwort bleiben.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor Brunson eine "evangelikale, zionistische Mentalität" vorgeworfen. Die Türkei werde in dem Fall nicht nachgeben. US-Präsident Trump und US-Vizepräsident Mike Pence, der ebenso wie Brunson ein gläubiger evangelikaler Christ ist, dringen seit langem auf die Freilassung des Geistlichen, der vor seiner Festnahme in der westtürkischen Küstenstadt Izmir zwei Jahrzehnte lang eine kleine Kirche betrieb.

Vergangene Woche entließ ein Gericht Brunson überraschend in den Hausarrest, entschied aber gegen seine Freilassung. Pence und Trump reagierten wütend auf die Entscheidung und drohten der Türkei mit schmerzhaften Sanktionen, wenn sie Brunson nicht freilasse.

Hoffnung auf diplomatische Lösung

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, sagte, Außenminister Mike Pompeo habe mit seinem türkischen Kollegen Cavusoglu telefoniert. Beide wollten sich in Singapur am Rande des Asean-Regionalforums am Freitag und Samstag treffen. "Wir verfolgen immer noch eine diplomatische Herangehensweise", sagte Nauert. "Pastor Brunson muss aus dem Hausarrest gelassen und zurück nach Hause gebracht werden."

Dem Pastor drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis, weil er "im Namen von Terrorgruppen" Verbrechen begangen haben soll, sowie weitere 20 Jahre wegen Spionage.

Mit Informationen von Sebastian Schreiber, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. August 2018 um 20:00 Uhr.

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