Gerichtszeichnung aus dem Prozess gegen Banker Mehmet Atilla | Bildquelle: dpa

Schuldspruch für türkischen Banker Türkei wirft USA "Rechtsschande" vor

Stand: 04.01.2018 13:02 Uhr

Millionen-Schmiergelder und Mitwisserschaft bis in höchste Ämter in Ankara: Im New Yorker Prozess um illegale Geschäfte zwischen der Türkei und Iran wurde ein türkischer Banker schuldig gesprochen. Ankara protestierte umgehend.

Der türkische Banker Mehmet Hakan Atilla, der dem Iran illegale Geschäfte unter Verstoß gegen US-Sanktionen ermöglichte, ist im New Yorker Prozess schuldig gesprochen worden. Die Jury befand den früheren Vizechef der staatlichen türkischen Halkbank unter anderem des Bankbetrugs und der Verschwörung zur Geldwäsche und der Umgehung von Sanktionen gegen den Iran schuldig.

Im Prozess hatte eigentlich der türkisch-iranische Goldhändler Reza Zarrab auf der Anklagebank sitzen sollen. Er bekannte sich dann aber überraschend schuldig und trat als Belastungszeuge auf. Im Verfahren sagte er aus, dass der türkische Präsident und damalige Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den illegalen Geschäften 2012 zustimmte, an denen demnach auch zwei weitere türkische Banken beteiligt waren.

Türkei kritisiert den Schuldspruch scharf

Die Türkei verurteilte den Schuldspruch scharf. Die in New York gefällte Entscheidung sei eine "ungerechte und unglückliche Entwicklung", erklärte das Außenministerium in Ankara. "Unser größter Wunsch ist, dass dieses Urteil, das in dieser Form zu einer Rechtsschande geworden ist, korrigiert wird."

Das Außenministerium bezichtigte die US-Anklage, sich auf "gefälschte Beweise" gestützt zu haben, die man politisch missbrauchen könne. Anhänger des in den USA lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen hätten das Gerichtsverfahren zudem beeinflusst. Die Türkei sieht Gülen als Drahtzieher des Putschversuchs vom Juli 2016 und fordert von den USA die Auslieferung des Predigers.

Das Strafmaß soll im April verkündet werden.

Über dieses Thema berichtete am 04. Januar 2018 Deutschlandfunk um 09:30 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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