Flagge der Türkei | Bildquelle: dpa

Seit Putschversuch 2016 Türkei beantragte mehr als 900 Festnahmen

Stand: 23.03.2019 12:32 Uhr

Seit dem gescheiterten Militärputsch 2016 geht die türkische Regierung massiv gegen vermeintliche Gegner vor - und macht an den Landesgrenzen nicht Halt: Fast 1000 Mal hat Deutschland Fahndungsbitten erhalten.

Mehr als zweieinhalb Jahre sind seit dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei vergangen - die türkische Regierung geht aber offenbar noch immer gegen vermeintliche Putschisten vor. Eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag ergab, dass das Bundeskriminalamt seit Juli 2016 über die internationale Polizeibehörde Interpol 990 Fahndungsersuche von türkischen Behörden übermittelt bekommen hat.

Mehr als 920 Gesuche zielten auf Festnahme ab

Wie die Zeitung "Welt" berichtete, zielten 925 dieser Gesuche auf eine Festnahme ab und bei 65 Fahndungsbitten sollte der Aufenthalt des Gesuchten festgestellt werden. Wie vielen dieser Gesuche die deutschen Behörden nachkamen, blieb in der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage offen. Aus der Antwort gehe lediglich hervor, dass in diesem Jahr noch niemand an die Türkei ausgeliefert wurde, die seit Beginn 2019 zwölf solche Anfragen an Deutschland gerichtet hatte.

Linkspartei fordert Stopp der Waffenexporte

Sevim Dagdelen, Fraktionsvize der Linkspartei im Bundestag, mahnte, das Regime unter dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan versuche, über solche Fahndungsbitten "politische Kritiker selbst im Ausland massiv zu verfolgen". Als Konsequenz forderte sie einen Stopp deutscher Waffenexporte in die Türkei und dass die Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei beendet werden.

Bomben auf das Parlament

Im Juli 2016 besetzten türkische Soldaten die Bosporus-Brücke und bombardierten das Parlament in Ankara. Auf den Straßen kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, doch schließlich wurde der Putschversuch von regierungstreuen Militärs niedergeschlagen.

Putsch in der Türkei | Bildquelle: AFP
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Die Panzer konnten beim Putschversuch 2016 zunächst bezwungen werden, doch schließlich erlangte das Militär die Oberhand zurück.

Mit aller Härte gegen Regierungsgegner

Seitdem geht Erdogan massiv gegen mutmaßliche Putschisten und Regierungsgegner vor. Er macht vor allem den in den USA im Exil lebenden Geistlichen Fethullah Gülen und seine Anhänger für den Putsch verantwortlich.

Kurz nach dem gescheiterten Putschversuch erklärte Erdogan den Ausnahmezustand, der über rund zwei Jahre immer wieder verlängert wurde. Mit großer Härte nahm Erdogan die von ihm angekündigten "Säuberungen" unter seinen Kritikern vor - mehr als 100.000 Menschen wurden aus ihren Jobs entlassen, Zehntausende wurden verhaftet - darunter Angehörige des Militärs, Anwälte, Richter, Lehrer. Auch gegen regierungskritische Medien ging die türkische Regierung vor.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. März 2019 um 12:00 Uhr.

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