Ein Mann sitzt am Istanbuler Flughafen vor einer türkischen Flagge | null

Mehr als 3000 Suspendierungen Türkei will Vermögen von Juristen einziehen

Stand: 29.07.2016 17:03 Uhr

Mehr als 3000 Richter und Staatsanwälte hat die türkische Regierung suspendiert, nun will sie auch deren Privatvermögen beschlagnahmen. Die Regierung wirft ihnen Verbindungen zur Gülen-Bewegung vor. Insgesamt stieg die Zahl der Festgenommenen auf mehr als 18.000.

Nach dem gescheiterten Putschversuch will die türkische Staatsanwaltschaft die Privatvermögen von mehr als 3000 suspendierten Richtern und Staatsanwälten beschlagnahmen lassen. Betroffen sind laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu 3049 Richter und Staatsanwälte mit mutmaßlichen Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen. Ihre Festnahme wurde bereits angeordnet. Beschlagnahmt werden sollen unter anderem Immobilien, Bankkonten und Fahrzeuge.

Die Regierung macht den in den USA lebenden Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich. Nach Angaben des Innenministeriums saßen am Mittwoch mehr als 1600 Richter und Staatsanwälte in Untersuchungshaft. Die Regierung wirft der Gülen-Bewegung vor, den Staat unterwandert zu haben. Gülen wurde in der Vergangenheit großer Einfluss im Justizbereich nachgesagt.

Ermittlungen gegen Unternehmer

Die Ermittlungen in der Türkei richten sich mittlerweile auch gegen Vertreter der Geschäftswelt. Drei prominente Unternehmer wurden laut Anadolu festgenommen. Der Chef des Boydak-Konzerns, Mustafa Boydak, wurde demnach in der zentraltürkischen Stadt Kayseri in Gewahrsam genommen. Auch zwei weitere Mitglieder der Unternehmensleitung, Sükrü und Halit Boydak, seien festgenommen worden. Die Boydak-Holding ist im Energie- und Finanzsektor aktiv und besitzt die bekannten Möbelmarken Istikbal und Bellona.

Haftbefehle seien zudem gegen den früheren Konzernchef Haci Boydak sowie die Verwaltungsratsmitglieder Ilyas and Bekir Boydak erlassen worden. Laut Anadolu stehen die Ermittlungen im Zusammenhang mit den finanziellen Aktivitäten der Gülen-Bewegung.

Mehr als 18.000 Festnahmen

Seit dem Putschversuch geht die Regierung mit aller Härte gegen mutmaßliche Unterstützer des Umsturzes vor. Nach Angaben von Innenminister Efkan Ala wurden inzwischen 18.044 Verdächtige mit mutmaßlichen Verbindungen zur Gülen-Bewegung festgenommen. Gegen 9677 davon sei Haftbefehl erlassen worden, sagte er dem Staatssender TRT. Um die Flucht von Verdächtigen ins Ausland zu verhindern, wurden laut Ala bislang 49.211 türkische Reisepässe für ungültig erklärt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juli 2016 um 12:00 Uhr.