Türkische Panzer in der Nähe von Manbidsch | Bildquelle: AFP

Nach Zustimmung des Parlaments Türkei schickt erste Truppen nach Libyen

Stand: 05.01.2020 20:58 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan hat erste Militäreinheiten in das Bürgerkriegsland Libyen geschickt. Sie sollen dort den Kampf gegen Rebellen koordinieren und ein Einsatzzentrum errichten.

Nach der Ankündigung der Türkei eines militärischen Eingreifens in Libyen hat Ankara mit der Truppenentsendung in das nordafrikanische Land begonnen. "Unsere Soldaten sind jetzt dabei, schrittweise dorthin zu gehen", sagte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan dem Fernsehsender CNN Turk. Aufgabe der türkischen Soldaten in Libyen sei "Koordination" und die Einrichtung eines "Einsatzzentrums".

Am Mittwoch hatte das türkische Parlament der Entsendung zugestimmt. Der Beschluss gilt für zunächst ein Jahr. Die türkischen Soldaten sollen die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung unter Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch in Tripolis unterstützen. Diese hatte die türkische Unterstützung offiziell erbeten, wodurch sie durch das Völkerrecht gedeckt ist.

Angriff mit vielen Toten in Tripolis

Bei einem Luftangriff auf eine Militärakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis waren zuvor nach Behördenangaben mindestens 30 Menschen getötet worden. 33 wurden verletzt, teilte das Gesundheitsministerium der international anerkannten Regierung mit. Verbündete der Regierung in dem Bürgerkriegsland machten die Truppen des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar für den Angriff verantwortlich. Ein Rebellen-Sprecher wies dies zurück.

Chaos in Libyen und viele Interessen

In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 Chaos. Haftar kontrolliert mit seiner selbsternannten Libyschen Nationalarmee (LNA) Gebiete im Osten des Landes, will aber die Macht über das ganze Land. Im vergangenen Jahr hatte er einen Angriff auf Tripolis begonnen, wo die Sarradsch-Regierung sitzt. Haftar wird unter anderem von Russland, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt.

Der Türkei geht es neben regionalem Einfluss auch um Rohstoffe in der Region. Al-Sarradsch und Erdogan hatten schon im November zwei umstrittene Abkommen unterschrieben: eines zur militärischen Zusammenarbeit, das unter anderem eine Entsendung von Ausbildern vorsieht. Mit einer zweiten Vereinbarung legten die Türkei und Libyen Seegrenzen im Mittelmeer fest - ohne Einverständnis anderer Anrainerstaaten. Die Türkei erhebt damit Anspruch auf ein Gebiet, in dem reiche Erdgasvorkommen vermutet werden - und riskiert damit auch einen Konflikt mit der EU.

Türkei schickt erste Truppen nach Libyen
Karin Senz, ARD Istanbul
06.01.2020 08:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Januar 2020 um 21:00 Uhr.

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