Türkische Soldaten bereiten an der Grenze zu Syrien neben leeren Granathülsen ihre Panzer vor. (22.01.2018) | Bildquelle: dpa

Vorerst keine Syrien-Offensive Türkei verschiebt Angriff auf Kurden

Stand: 21.12.2018 16:27 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan hat angekündigt, den Angriff auf die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens zu verschieben. Er halte aber an seinem Plan fest, die Region von der Terrormiliz IS und der YPG zu "säubern".

Die Türkei will nach dem angekündigten Abzug der US-Truppen aus Syrien den Norden des Landes eine Offensive gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) starten. "In den kommenden Monaten werden wir in Syrien eine Operation sehen, um es von Elementen der YPG und des IS zu säubern", sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Entscheidung nach Gespräch mit Trump

Nach Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump und den US-Sicherheitsdiensten habe er aber entschieden, "noch ein wenig länger zu warten", so Erdogan weiter.

Vergangene Woche hatte Erdogan angekündigt, "in einigen Tagen" eine neue Offensive gegen die syrische Kurdenmiliz zu starten. Die Ankündigung stieß in der US-Regierung auf Kritik, da auch zahlreiche US-Soldaten in Nordsyrien zur Unterstützung der YPG stationiert sind.

Zeitung: Erdogan hat Trump vom Abzug überzeugt

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der US-amerikanische Präsident Donald Trump im Weißen Haus | Bildquelle: REUTERS
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Erdogan und Trump einigten sich auf den US-Truppenabzug.

Wie die türkische Zeitung "Hürriyet" nun berichtete, überzeugte Erdogan in einem Telefonat am Montag Trump, seine Truppen aus Syrien abzuziehen. Demnach fragte Trump in dem Gespräch, ob die Türken "die letzten IS-Elemente aufräumen werden, wenn wir aus Syrien abziehen".

Erdogan habe ihm daraufhin gesagt, die Türkei habe schon mal in Nordsyrien gegen die IS-Miliz gekämpft. "Okay, macht ihr es", sagte Trump laut "Hürriyet" daraufhin. Anschließend habe der US-Präsident seinen Nationalen Sicherheitsberater John Bolton angewiesen, den Truppenabzug einzuleiten.

Kurden in Syrien mit den USA verbündet

SDF-Kämpfer in Nordsyrien (Archivbild) | Bildquelle: AFP
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SDF-Kämpfer gehen in Nordsyrien zusammen mit US-Einheiten gegen den IS vor.

Sollten Washingtons Truppen das Bürgerkriegsland verlassen, würde der Weg frei werden für einen türkischen Angriff auf den Norden Syriens. Die Regierung in Ankara sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Sie hat diese als Terrororganisation eingestuft. Die USA unterstützen dagegen die Kurdenmiliz seit Jahren mit Waffen, Luftangriffen und Spezialkräften im Kampf gegen den IS.

Im Fall eines türkischen Angriffs auf Nordsyrien sehen die dort lebenden Kurden den Kampf gegen die IS-Terrormiliz in Gefahr. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) wären gezwungen, ihre Truppen von der Front mit dem IS zurückzuziehen und an die Grenze zur Türkei zu verlegen, sagte die führende Kurdenvertreterin Ilham Ahmed.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Dezember 2018 um 16:15 Uhr in den Nachrichten.

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