Menschen stehen neben einem Banner, auf dem das Gesicht von Osman Kavala abgebildet ist. | Bildquelle: AFP

Ein Jahr in türkischer U-Haft "Dann kann man das nur Folter nennen"

Stand: 31.10.2018 21:28 Uhr

Der seit einem Jahr in der Türkei inhaftierte türkische Geschäftsmann Kavala hat in einem offenen Brief seine Freilassung gefordert. Seine Anwälte wandten sich erstmals an die Öffentlichkeit - und erhoben schwere Vorwürfe.

Ein Jahr nach der Inhaftierung des türkischen Kulturmäzens und Bürgerrechtlers Osman Kavala haben sich seine Anwälte zu Wort gemeldet. Wie mit ihm umgegangen werde, sei wie Folter, erklärte der Anwalt Köksal Bayraktar. "Wenn man eine Person ein Jahr lang von der Gesellschaft isoliert, dann kann man das nur Folter nennen."

Osman Kavala | Bildquelle: AP
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Kavala selbst forderte in einem offenen Brief seine Freilassung.

Es gebe keine Anklageschrift gegen Kavala, kritisierte der Anwalt Ilkan Koyuncu. Weil die Akteneinsicht eingeschränkt sei, würden noch nicht einmal die Anwälte die genauen Hintergründe der Vorwürfe kennen. "Wir als seine Verteidiger fühlen uns ziemlich mies angesichts der Tatsache, dass er sich seit einem Jahr in Untersuchungshaft befindet, ohne zu wissen, warum eigentlich."

Untersuchungshaft in der Türkei "Strafe im voraus"

Kavala selbst forderte in einem offenen Brief seine Freilassung. "Monate meines Lebens schwinden dahin. Ich möchte so schnell wie möglich meine Freiheit wiedererlangen und mit meiner Familie und meinen Freunden vereint sein." Die Untersuchungshaft in der Türkei werde als "Strafe im Voraus" missbraucht, schrieb Kavala. Das habe er schon lange vor seiner eigenen Inhaftierung kritisiert.

Kavala war am 1. November 2017 verhaftet worden. Ihm wird nach Angaben seiner Anwälte unter anderem vorgeworfen, in Verbindung mit Ausländern gestanden zu haben, die eine Rolle beim Putschversuch vom Juli 2016 gespielt haben sollen. Außerdem werde ihm versuchter Umsturz der Regierung vorgeworfen.

Keine Bewegung im Verfahren

Seitdem sitzt er im Hochsicherheitsgefägnis Silivri bei Istanbul - in dem auch der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner und der deutsch-türkische Zeitungsjournalist Deniz Yücel saßen. Beide sind inzwischen frei gekommen. Bei Kavala bewege sich hingegen nichts, kritisiert Bayraktar.

Kavala stammt aus einer wohlhabenden türkischen Familie. Er ist Vorsitzender des Kulturinstituts Anadolu Kültür, das auch mit dem Goethe-Institut in Istanbul zusammenarbeitet. Er unterstützte türkische und kurdische Künstler und engagierte sich für den armenisch-türkischen Austausch. Er ist außerdem im Vorstand mehrerer zivilgesellschaftlicher Organisationen.

Kulturmäzen und Bürgerrechtler Osman Kavala seit einem Jahr in türkischer U-Haft
Karin Senz, ARD Istanbul
31.10.2018 21:39 Uhr

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Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Oktober 2018 um 23:45 Uhr.

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