Thomas Seibert (l) und Jörg Brase | Bildquelle: dpa

Verweigerte Akkreditierung Deutsche Journalisten verlassen Türkei

Stand: 23.03.2019 12:18 Uhr

Zwei deutsche Journalisten haben nach der Verweigerung ihrer Akkreditierung die Türkei verlassen. Ein ZDF-Korrespondent und ein "Tagesspiegel"-Reporter flogen am Nachmittag nach Deutschland.

Von Marion Sendker, ARD-Studio Istanbul

Es sind ihre vorerst letzten Minuten in der Türkei, als sie gemeinsam zum Flughafen aufbrechen. Thomas Seibert vom "Tagesspiegel" und Jörg Brase vom ZDF müssen gehen, denn sie haben keine Pressekarte mehr bekommen. Das kommt einem Rauswurf gleich. Gründe für ihre Entscheidung nannten die türkischen Behörden nicht, sagt ZDF-Korrespondent Jörg Brase:

"Es mag viele Berichte geben, die das ZDF gemacht hat, die der türkischen Regierung nicht gefallen haben, aber das haben auch andere gemacht. Ich denke, es ging darum, ein Exempel zu statuieren, ich weiß nicht, ob es mit meiner Person zu tun hatte - weil man uns sagte, es hat nichts mit dem ZDF zu tun und auch nicht mit meiner Berichterstattung, womit sonst?"

Auch "Tagesspiegel"-Korrespondent Thomas Seibert kann nur rätseln, warum er nach 22 Jahren die Türkei verlassen muss - zumal er aus Istanbul kaum über die Türkei, sondern überwiegend über den Nahen Osten berichtet.

Ausweisung deutscher Korrespondenten: Wie die Türkei die Pressefreiheit weiter beschneidet
tagesthemen 22:45 Uhr, 10.03.2019, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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alt Außenminister Maas | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter

"Für uns nicht akzeptabel"

Im Bericht aus Berlin verurteilte Außenminister Heiko Maas die Ausreise der beiden Journalisten aus der Türkei. "Das hat mit unserem Verständnis von Pressefreiheit nichts zu tun", sagte er. "Wir haben im Übrigen auch dieser Tage irritierende Äußerungen eines türkischen Ministers gehört, der angekündigt hat, dass auch deutsche Urlauber in der Türkei festgenommen werden können, falls sie sich etwa in Deutschland über die sozialen Netzwerke zu kritisch gegenüber der türkischen Führung geäußert haben."

Neue Eskalationsstufe erreicht

Fernsehkollege Brase kündigte an, jetzt wohl nach Teheran zu gehen. Denn im Iran ist er akkreditiert, dort darf er arbeiten: "Ich bin gezwungen, jetzt von außerhalb der Türkei über die Türkei zu berichten, als Reporter und Korrespondent will man das natürlich nie. Man will immer da sein, wo etwas passiert." Dadurch, dass man ihm die Pressekarte verweigert habe, schade sich die Türkei mehr selbst, als dem ZDF.

Die Sache beschäftigt längst die Bundesregierung. Nach Versuchen stiller Diplomatie verschärfte das Auswärtige Amt am Wochenende die Reisehinweise: "Äußerungen, die nach deutschem Rechtsverständnis von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, können in der Türkei zu berufsbeschränkenden Maßnahmen und Strafverfahren führen." Damit ist eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Ein Deal hinter den Kulissen?

Das könnte - kurz vor Beginn der Hauptsaison - nicht nur Touristen abschrecken, sondern sich auch auf deutsche Investitionen in der Türkei auswirken, erwarten Branchenkenner. Denn auch Wirtschaftsvertreter sitzen in deutschen Fernsehräten. Bemerkenswert ist der Versuch von Vertretern der türkischen Botschaft in Deutschland, hinter den Kulissen einen Deal mit dem ZDF und dem "Tagessspiegel" auszuhandeln, erzählt "Tagespiegel"-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron:

"Der Presseattaché machte deutlich, dass es kein Schritt gegen den Tagesspiegel sei, dass wir das nicht missverstehen sollten, sondern allein eine Sache Seiberts. Und dann kam der Vorschlag, wir sollten ihn doch am besten auswechseln und jemand anderes schicken. Das mag man sich in Ankara so ausdenken, aber wo kommen wir denn dahin, wenn sich die Regierungen dieser Welt ihre Berichterstatter ausdenken können?"

Thomas Seibert (l) und Jörg Brase | Bildquelle: dpa
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Die beiden Journalisten Thomas Seibert und Jörg Brase

Eine Botschaft nach außen

Das kann die türkische Regierung zwar nicht, aber sie hat die Macht, die nach Hause zu schicken, die sie - warum auch immer - nicht im Land haben will. So wie Thomas Seibert vom "Tagesspiegel".

"Unser Tag hier ist traurig, aber es ist Luxus im Vergleich zu dem, was die türkischen Kollegen durchmachen. Aber ich glaube trotzdem nicht, dass es hier um eine Botschaft nach innen geht, es geht um eine Botschaft nach außen." Nachdem die türkischen Kollegen an die Kette gelegt wurden, solle dasselbe oder ähnliches jetzt mit den ausländischen Medien versucht werden, sagte Seibert.

Aktuell warten noch rund 80 andere ausländische Journalisten auf ihre Pressekarte. Die sollte längst da sein, denn normalerweise wird sie zum Jahreswechsel ausgestellt.

Deutsche Journalisten müssen Türkei verlassen
Marion Sendker, ARD Istanbul
10.03.2019 15:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. März 2019 um 16:00 Uhr.

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