Türkische Flagge | Bildquelle: dpa

Journalisten in der Türkei Unverständnis über verweigerte Pressekarten

Stand: 09.03.2019 21:17 Uhr

Die Weigerung der Türkei, deutschen Korrespondenten ihre Pressekarten zu verlängern, hat bei internationalen Kollegen Unverständnis ausgelöst. Die Branche ist in Sorge, dass es weitere Reporter treffen könnte.

Von Oliver Mayer-Rüth, ARD-Studio Istanbul

"Wahnsinn" - das ist eine der vielen Reaktionen in den WhatsApp-Gruppen von in der Türkei akkreditierten internationaler Korrespondenten. In der Vergangenheit gab es immer wieder Fälle, bei denen die Pressekarten deutscher Korrespondenten nicht verlängert wurde." Aber diesmal sitzt der Schock besonders tief - weil noch im Herbst vieles für eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen Ankara und Berlin sprach.

Türkei verweigert Journalisten Verlängerung der Pressekarte
tagesthemen 23:15 Uhr, 02.03.2019, Katharina Wilinger, ARD Istanbul

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Das waren die Besuche des Bundeswirtschaftsministers und des Bundesaußenministers in der Türkei und der rote Teppich für Erdogan in Berlin. Wirtschaftsminister Peter Altmaier erklärte in Ankara, man bespreche Probleme unter Freunden im Hintergrund.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier | Bildquelle: dpa
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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in der Türkei

Keine Pressekarte für Nahost-Analyst

In Punkto Pressefreiheit hat das offenbar nichts gebracht. Thomas Seibert, Korrespondent des "Tagesspiegel", Jörg Brase, ZDF-Korrespondent und Halil Gülbeyaz, freier Mitarbeiter des NDR, haben gestern am frühen Abend eine Mail des dem Präsidialamt untergeordneten Presseamtes bekommen: "Liebes Pressemitglied, Ihr Antrag für die Verlängerung der Pressekarte wurde abgelehnt." Das heißt für die Betroffenen: Sie müssen innerhalb von zehn Tagen das Land verlassen, denn ohne Pressekarte keine Aufenthaltserlaubnis.

Warum beispielsweise Seibert keine Akkreditierung mehr bekommen soll, ist allen, die seine Texte lesen, ein Rätsel. Der ARD in Istanbul sagt er, er könne sich überhaupt nicht erklären, warum die Pressekarte entzogen wurde. Seibert arbeite in Istanbul als Nahost-Analyst für den Tagesspiegel.

ZDF will sich gegen Entscheidung wehren

Die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten erklärte gestern, der Sender werde gegen die Entscheidung vorgehen. Korrespondent Brase ist ähnlich irritiert wie Seibert vom "Tagesspiegel". Er sagt der ARD, die Entscheidung sei völlig unverständlich, weil das ZDF-Studio in Istanbul auch nicht anders berichtet habe als andere Studios oder Korrespondenten.

Ähnlich geht es Halil Gülbeyaz, der für den NDR zwölf Jahre in der Türkei ununterbrochen akkreditiert war und derzeit in Berlin lebt. "Ich habe nur meinen Beruf als Journalist ausgeübt, und mit der Abweisung werde ich meinem Beruf in der Türkei nicht mehr nachgehen können. Das schränkt die Informationsfreiheit ein", sagt Gülbeyaz der ARD-Istanbul.

ARD-Korrespondenten bekommen Pressekarten

Doch nicht nur Betroffene oder andere ausländische Korrespondenten sind schockiert. Der in Deutschland aufgewachsene AKP-Politiker Mustafa Yeneroglu bemühte sich in der Vergangenheit in verschiedenen deutschen Talk-Shows immer wieder, die Politik der türkischen Regierung zu erklären.

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Den Entzug der Pressekarten kritisiert er scharf und stellt sich gegen die Entscheidung des Presseamtes: "Ich kann Ihnen leider nicht erklären, wie die zuständige Behörde zu einer solchen Entscheidung gekommen ist. Jedenfalls kann ich die Entscheidung weder nachvollziehen noch gutheißen. Es schadet dem Ansehen der Türkei und kann daher nicht im Interesse der Türkei sein." Außerdem gehe er davon aus, dass die Entscheidung bald berichtigt wird.

Noch immer warten mehrere Dutzend internationale Korrespondenten auf eine Benachrichtigung des Präsidialamtes. Nach der gestrigen Entscheidung geht die Sorge um, dass weitere Anträge abgelehnt werden könnten. Die Fernseh- und Hörfunk-Korrespondenten im ARD-Studio Istanbul haben inzwischen die Pressekarte beziehungsweise E-Mails mit einer Zusage.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. März 2019 um 15:00 Uhr.

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