Am Grenzzaun gibt es Zusammenstöße zwischen griechischer Polizei und Flüchtlingen - im Hintergrund die türkische Stadt Pazarkule | Bildquelle: AFP

Flüchtlinge in der Türkei Neue Zwischenfälle an der EU-Grenze

Stand: 18.03.2020 12:24 Uhr

Noch immer harren Flüchtlinge an der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei aus. Etwa 500 versuchten, einen Grenzzaun niederzureißen - was zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten auf beiden Seiten der Grenze führte.

In der Nacht zum Mittwoch ist es an der griechisch-türkischen Grenze erneut zu Zwischenfällen gekommen. Etwa 500 vor allem jugendliche Flüchtlinge versuchten, den Grenzzaun auf griechischer Seite am Übergang von Kastanies/Pazarkule niederzureißen. Dabei seien von türkischer Seite Tränengasgranaten und Steine auf die Beamten der griechischen Polizei und der europäischen Grenzschutzagentur Frontex geschleudert worden, berichtete das griechische Staatsfernsehen.

Die griechischen Beamten setzten den Angaben zufolge starke Ventilatoren ein, um die Tränengas- und Rauchschwaden zurück auf türkisches Territorium zu treiben. Auch sie setzten Tränengas ein. Die Zwischenfälle dauerten etwa eineinhalb Stunden. Gegen 4.00 Uhr seien die Flüchtlinge zurück in ein provisorisches Lager in Pazarkule gegangen, wie Augenzeugen berichteten. Seitdem herrsche wieder Ruhe am Grenzübergang, berichteten Reporter aus Kastanies. 

Mehr EU-Mittel für Flüchtlinge in der Türkei

Am Dienstag hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Videokonferenz mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einer Aufstockung der EU-Mittel für die Versorgung von syrischen Flüchtlingen in der Türkei bereiterklärt. Bei dem Gespräch, an dem auch der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Boris Johnson teilnahmen, habe man sich klar zu dem Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei bekannt, sagte Merkel.

Der Flüchtlingspakt von 2016 sieht vor, dass Ankara gegen illegale Migration vorgeht. Erdogan hatte der EU aber vorgeworfen, sie habe nicht wie versprochen sechs Milliarden Euro für die 3,6 Millionen in der Türkei lebenden Flüchtlinge überwiesen.

Die Türkei hatte dann Ende Februar erklärt, die Grenze zur Europäischen Union sei offen und die Grenzübergänge auf türkischer Seite nicht mehr kontrolliert. Daraufhin machten sich Tausende auf den Weg, um aus der Türkei nach Griechenland und somit in die EU zu gelangen. Griechenland schottete die EU-Außengrenze - mit ausdrücklicher Unterstützung der EU - aber weiter ab. Seither harren die Menschen an der Grenze aus, in der Hoffnung auf Zugang in die EU.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. März 2020 um 12:15 Uhr.

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