Rettungskräfte auf den Trümmern eines vom Erdbeben zerstörten Gebäudes in der türkischen Stadt Izmir.  | ERDEM SAHIN/EPA-EFE/Shutterstock

Nach Erdbeben in der Türkei Suche rund um die Uhr

Stand: 31.10.2020 17:42 Uhr

Nach dem schweren Erdbeben in der Ägais setzen Rettungskräfte die Suche nach Überlebenden fort. Im türkischen Izmir konnten weitere drei Menschen aus den Trümmern eines Hauses gerettet werden. Aber auch die Zahl der Todesopfer steigt weiter.

Sie geben die Hoffnung nicht auf, die rund 5000 Rettungskräfte, die im Katastrophengebiet in der Türkei nach Überlebenden suchen. Seit dem schweren Erdbeben am Freitag konnten nach Angaben des türkischen Umwelt- und Stadtplanungsministers Murat Kurum etwa 100 Menschen lebend geborgen werden. Fast 900 Menschen wurden bei dem Beben verletzt, die meisten davon in Izmir und drei weiteren Provinzen, teilte der Katastrophenschutz mit.

Zuletzt retteten die Einsatzkräfte in der Küstenstadt Izmir eine Frau und ihre drei Kinder aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes. Aufnahmen des Fernsehsenders TRT zeigen, wie sie unter Applaus zum Krankenwagen getragen wurden. Nach einem vierten Kind wird nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu noch gesucht.

"Überall ist alles zusammengebrochen"

In den vergangenen Stunden gab es immer wieder Berichte über erfolgreiche Rettungsaktionen. Auch dieser Mann hatte Glück, erzählt er einem Reporter einer Nachrichtenagentur:

Ich hab gedacht, der Boden tut sich unter mir auf. In dem Moment kann man gar nicht mehr richtig denken. Du versuchst nur, rauszurennen. Überall ist alles zusammengebrochen. Zum Glück hat unser Laden nichts abbekommen. Wir hatten wirklich Panik und haben es gerade noch nach draußen geschafft.

Aber nicht alle Versuche sind erfolgreich. Auch die Zahl der Todesopfer steigt. Nach Angaben des Katastrophenschutzes kamen in der Türkei mindestens 37 Menschen ums Leben.

Tausende verbrachten Nacht in Notunterkünften


Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und versprach, zerstörte Gebäude schnell wieder aufzubauen. "Jedes einzelne Beben erinnert uns daran, dass sich unser Land in einem gefährlichen Gebiet befindet", sagte er.

In Izmir mussten tausende Menschen die Nacht in Notunterkünften verbringen. Es wurden Zelte errichtet, Helfer teilten in Parks Essen aus. Nach Behördenangaben stürzten mindestens vier Gebäude komplett ein. Die Schulen wurden für eine Woche geschlossen.

Zwei Tote auf Samos

Auch Griechenland ist von dem Beben betroffen, insbesondere die Insel Samos. Dort wurden zwei Todesopfer und mindestens 19 Verletzte gemeldet. Zwei Jugendliche waren von einer einstürzenden Mauer erschlagen worden. Aus Furcht vor Nachbeben schliefen viele Bewohner der Insel im Freien oder in Autos, berichten griechische Medien.

Durch das Erdbeben zerstörte Häuser in Vathy auf der griechischen Insel Samos. | STR/EPA-EFE/Shutterstock

Auch die griechische Insel Samos wurde von dem Erdbeben erschüttert. Zahlreiche Gebäude zeigen schwere Schäden, wie hier in der Kleinstadt Vathy. Bild: STR/EPA-EFE/Shutterstock

Das Epizentrum des Erdbebens lag in der Ägais zwischen Samos und dem türkischen Küstenort Seferihisar - in rund 16 Kilometern Tiefe. Beide Küsten wurden von kleinen Tsunamis getroffen. Die Ufer wurden überschwemmt, Autos weggespült, Läden und Keller überschwemmt.

Zahlreiche Nachbeben

Das Beben hatte nach Berechnungen des türkischen Katatstrophenschutzes eine Stärke von 6,6 auf der Richterskala, das Istanbuler Erdbebenforschungszentrum Kandilli ging sogar von 6,9 aus. Im Anschluss kam es zu hunderten Nachbeben. Einige sollen bei bis zu 4 gelegen haben. In der Türkei kommt es immer wieder zu Erdbeben. Erst im Januar waren bei zwei Erschütterungen im Osten der Türkei mehr als 40 Menschen getötet worden.

Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2020 um 12:00 Uhr.