Hozan Cane  | dpa

Freilassung abgelehnt Kölnerin bleibt in türkischer Haft

Stand: 06.08.2020 19:21 Uhr

Vor zwei Jahren war die Kölner Sängerin Hozan Cane in der Türkei wegen Terrorvorwürfen zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Jetzt wird der Fall der Deutschen erneut verhandelt - trotzdem muss sie im Gefängnis bleiben.

Die Kölner Sängerin Hozan Cane muss vorerst in einem türkischen Gefängnis bleiben. Bei einer Neuverhandlung des Falles ordneten Richter im westtürkischen Edirne eine Verlängerung der Untersuchungshaft an. Sie begründeten dies mit dem noch ausstehenden Ergebnis einer medizinischen Untersuchung zum Gesundheitszustandes Canes.

Der Anwalt der Sängerin, Newroz Akalan, kritisierte die gerichtliche Anrodnung. Die Fortsetzung der Untersuchungshaft komme einem Strafvollzug gleich. Kritik kam auch aus der SPD-Bundestagsfraktion. Deren menschenrechtspolitischer Sprecher, Frank Schwalbe, äußerte sich enttäuscht: "Das ist nicht das, was wir uns erhofft haben, Hozan Cane ist zu Unrecht im Gefängnis". Auch Vertreter des deutschen Generalkonsulats in Istanbul beobachteten den Prozess.

Anklage wegen Inhalten auf sozialen Netzwerken

Cane war im Juni 2018 in Edirne kurz vor den türkischen Parlaments- und Präsidentenwahlen festgenommen worden. Im November 2018 wurde sie wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation - in diesem Fall die kurdische Arbeiterpartei PKK - zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Die Sängerin hat kurdische Wurzeln und besitzt nur die deutsche Staatsbürgerschaft.

Von Seiten des höchsten Berufungsgerichts wurde jedoch eine Neuverhandlung angeordnet, weil es keinen klaren Beweis für die Mitgliedschaft Canes in der PKK gebe.

Die Anklage gegen Cane hatte sich vor allem auf Inhalte von Facebook- und Twitter-Profilen berufen. Sie weist das zurück. Bei den Profilen handle es sich um Fake-Accounts. Cane machte während der Neuverhandlung auch auf ihren Gesundheitszustand aufmerksam: Sie habe schweres Asthma und Bluthochdruck, jeden Tag wache sie mit Alpträumen auf.

Auch Canes Tochter angeklagt

Canes Tochter Gönül Örs war ebenfalls wegen Terrorvorwürfen angeklagt worden. Sie wurde verhaftet, als sie vor gut einem Jahr aus Köln in die Türkei gekommen war, um ihre Mutter zu besuchen. Nach drei Monaten kam sie frei, durfte zunächst aber das Land nicht mehr verlassen, bis ihr Hausarrest Mitte Juni aufgehoben wurde.

Beim neu aufgerollten Prozess gegen ihre Mutter war Gönül Örs anwesend - die Entscheidung des Gerichts nahm sie sichtlich mit. Der Prozess wird am 3. September fortgesetzt.

Neue Belastung der Beziehungen

Der Fall ist eine erneute Belastung für die deutsch-türkischen Beziehungen. 2017 hatte eine Reihe von Festnahmen deutscher Staatsbürger in der Türkei eine schwere Krise zwischen Berlin und Ankara ausgelöst.

Im Fall Cane strebt die Bundesregierung schon seit Längerem eine diplomatische Lösung an - bisher ohne Erfolg.

Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul.