Die türkische Flagge am Taksim-Platz in Istanbul | Bildquelle: dpa

Verdacht auf Kontakte zur PKK Türkei suspendiert mehr als 11.000 Beamte

Stand: 08.09.2016 18:52 Uhr

Nach dem Putschversuch entließ die türkische Regierung Zehntausende Beamte, weil sie der Gülen-Bewegung nahestehen sollen. Nun suspendierte sie weitere 11.000 Beamte im Bildungswesen vorläufig, darunter auch Lehrer. Diesmal lautet der Vorwurf, sie hätten Kontakte zur PKK.

Gut eine Woche vor Beginn des neuen Schuljahrs sind in der Türkei mehr als 11.000 Staatsangestellte im Bildungswesen unter dem Verdacht suspendiert worden, Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu unterhalten. "Die fraglichen Individuen sind vorläufig suspendiert, also in bezahltem Urlaub, bis zu einer formellen Untersuchung", sagte ein türkischer Regierungsvertreter. Welche Kontakte sie zu den Aufständischen haben sollen, konkretisierte er nicht.

Das Bildungsministerium verdächtigt die suspendierten Beamten laut der Nachrichtenagentur Anadolu, "die separatistische Terrororganisation und ihre Ableger" unterstützt zu haben. Demnach wird erwartet, dass die Zahl der Suspendierungen im Zuge einer Untersuchung mit den örtlichen Gouverneuren auf 14.000 steigt. Ministerpräsident Binali Yildirim hatte am Sonntag bei einem Besuch in der Kurdenhochburg Diyarbakir angekündigt, dass 14.000 Lehrer wegen Kontakten zur PKK suspendiert würden.

Die Gewalt zwischen der PKK und den türkischen Sicherheitskräften hat seit dem Abbruch des Friedensprozesses im Sommer 2015 zugenommen. Seitdem starben Hunderte kurdische Kämpfer, Sicherheitskräfte und Zivilisten.

Auch wegen des gescheiterten Putsches vom 15. Juli wurden bereits mehr als 20.000 Lehrer wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen vom Dienst freigestellt. Zudem ordnete die Regierung nach dem Putschversuch per Dekret die Schließung Dutzender Zeitungen und Fernsehsender an und erließ Haftbefehle gegen Journalisten. Zehntausende Beamte wurden entlassen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan macht seinen einstigen Weggefährten für den Umsturzversuch verantwortlich. Der 75-Jährige, der seit Jahren im Exil in den USA lebt, bestreitet jede Verwicklung und hat den Putschversuch scharf verurteilt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Seütember 2016 um 05:05 Uhr.

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