Türkische Sicherheitskräfte führen die zwei festgenommenen griechischen Soldaten ab. | Bildquelle: dpa

Nach Grenzübertritt Türkei inhaftiert griechische Soldaten

Stand: 03.03.2018 10:36 Uhr

Zwei griechische Soldaten haben am Donnerstag die Grenze zur Türkei überschritten und sind verhaftet worden. Aus Athen heißt es, der Vorfall sei ein Versehen. Schuld sei das schlechte Wetter gewesen.

Ein Vorfall an der griechisch-türkischen Grenze sorgt derzeit für weitere Spannungen zwischen Athen und Ankara. Zwei griechische Soldaten waren am Donnerstag festgenommen worden, nachdem sie am gemeinsamen Grenzfluss Evros auf türkisches Gebiet geraten waren. Die Männer wurden kurz darauf inhaftiert.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, ein Gericht in Edirne habe Haft für die beiden wegen des Verdachts der Spionage und des Betretens einer militärischen Zone angeordnet. Inzwischen wird ihnen aber nur noch illegaler Grenzübertritt votrgeworfen. Bei den Soldaten handele es sich um einen Leutnant und einen Feldwebel.

Griechische Regierung verweist auf schlechtes Wetter

Nach Darstellung der griechischen Regierung haben die beiden Soldaten unabsichtlich die Grenze überquert. "Wegen der Wetterbedingungen in der Region sind die beiden aus Versehen von ihrem Kurs abgekommen und auf türkisches Gebiet geraten", teilte der griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos im staatlichen Fernsehen (ERT) mit.

In der Region des Grenzflusses Evros (türkisch: Meric) hatte es in den vergangenen Tagen stark geschneit. Zudem herrschte am Donnerstag dichter Nebel in der Region. Die beiden griechischen Militärs hätten sich "offenbar verlaufen", hieß es in einer Erklärung des griechischen Heeres weiter.  

Ein Fluss bildet die Grenze zwischen den beiden NATO-Mitgliedern, und an einem großen Teil der über Land verlaufenden Grenze steht ein Zaun. Es gibt aber auch nicht klar markierte Zonen, und die beiden Soldaten sollen sich in einem Waldgebiet verlaufen haben.

Schnellverfahren erwartet

"Der griechische und der türkische Generalstab sind in Kontakt miteinander zwecks Freilassung der beiden Militärs", erklärte der griechische Regierungssprecher weiter. Ministerpräsident Alexis Tsipras beobachte intensiv die Entwicklung und stehe in ständigem Kontakt mit dem Außen- und Verteidigungsminister.

Ein Schnellverfahren gegen die beiden griechischen Soldaten könnte am Montag stattfinden. Regierungschef Tsipras soll sich am Nachmittag mit dem Verteidigungs- und dem Außenminister besprochen und dabei auch führende griechische Oppositionspolitiker informiert haben. Ein Zeichen, dass die griechische Regierung den Zwischenfall an der türkischen Grenze äußerst ernst nimmt.

Die Beziehungen zwischen den beiden benachbarten NATO-Partnern Türkei und Griechenland sind angespannt. Die Regierung in Ankara fordert die Auslieferung von acht Soldaten, die sich nach dem Putschversuch im Juli 2016 mit einem Hubschrauber nach Griechenland abgesetzt hatten. Der griechische Regierungssprecher wandte sich heute gegen Spekulationen, es könnte einen Austauschdeal mit den jetzt festgenommenen griechischen Soldaten geben.

Mit Informationen von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. März 2018 um 17:30 Uhr in den Nachrichten.

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