Türkische Soldaten laden Schutzmaterial, das den USA bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie helfen soll.

Coronavirus Kritik an Masken-Spende aus Ankara

Stand: 04.05.2020 20:05 Uhr

An mehrere Länder spendet die Türkei Schutzausrüstungen - und informiert darüber mit einer offensiven PR-Kampagne. Auch nach Deutschland wurden Masken geliefert. Das sorgt in beiden Ländern für Ärger.

Von Oliver Mayer-Rüth, ARD-Studio Istanbul

"Die Türkei ist der drittgrößte Bereitsteller humanitärer Hilfe während der Covid-19-Pandemie", heißt es in einer Pressemitteilung des türkischen Präsidialamtes vom vergangenen Mittwoch. Man habe dem NATO-Verbündeten USA unter anderem eine halbe Million Mund-Nasen-Schutzmasken und 40.000 Schutzanzüge gespendet, um die US-Bürger im Kampf gegen das Coronavirus zu unterstützen.

56 Ländern habe die Türkei medizinische Schutzausrüstung kostenfrei zur Verfügung gestellt, lässt der Präsidentenpalast in Ankara einen Tag später verkünden. Jeder solle sich daran erinnern, mahnt Fahrettin Altun, Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidialamtes, dass die Türkei schon vor der Pandemie im Verhältnis zu ihrem Bruttoinlandsprodukt in Sachen humanitäre Hilfe weltweit führend gewesen sei.

NRW erhielt zwei Millionen Masken

So habe der türkische Staat auch Nordrhein-Westfalen zwei Millionen Mund-Nase-Bedeckungen gespendet, bestätigt eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums der ARD.

Im Vorfeld der Spende gab es nach Medienberichten einen Streit zwischen Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD), ob solch eine Spende angenommen werden dürfe. Offenbar hatte Maas aufgrund von Menschenrechtsverletzungen in der Türkei Bedenken.

Keine Stellungnahme zur Lieferung

Öffentlich will das Auswärtige Amt zu dem Thema keine Stellung nehmen. Während Ankara die Öffentlichkeit über Spenden an andere Länder im Rahmen einer offensiven PR-Kampagne informiert, wurde die Lieferung an Nordrhein-Westfalen geheim gehalten. Die deutsche Seite habe darum gebeten, sagt ein der türkischen Regierung nahestehender Insider der ARD.

Präsident Recep Tayyip Erdogan und sein Kabinett seien ein rotes Tuch für Teile der deutschen Bevölkerung. Daher habe das Auswärtige Amt in Berlin die Spende aus Ankara nicht an die große Glocke hängen wollen.

Kritik von der CHP

Ünal Ceviköz, Vizechef der größten türkischen Oppositionspartei CHP, sieht die Spenden der türkischen Regierung kritisch. Diese betreibe sehr viel Öffentlichkeitsarbeit, so Ceviköz. Die Türkei versuche, das zerstörte Image in der internationalen Gemeinschaft zu korrigieren. Wie die Türkei wahrgenommen wird, hänge jedoch nicht von solchen Gesten ab, sondern habe mit dem Rechtsstaat, der Einhaltung von Menschenrechten und guter Regierungsarbeit zu tun. Ankara brauche eine Imagekorrektur, damit man Finanzierungen und Kredite bekäme, um die türkische Wirtschaft anzukurbeln.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir bezeichnet die Spende als "durchschaubares Manöver". Während Erdogan wegen seiner chaotischen Corona-Politik zuhause unter Druck stehe, lasse er über seine gleichgeschalteten Propagandamedien verkünden, die ganze Welt würde auf Hilfe aus der Türkei warten. Dies müsse Menschen in der Türkei, die selbst auf Masken und wirtschaftliche Hilfe warten, wie Hohn vorkommen.

NRW sollte sich nicht zum Propagandainstrument von Erdogan machen lassen, kritisiert der Bundestagsabgeordnete die Regierung in Düsseldorf scharf.

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