Demonstranten fordern die Freilassung des in der Türkei inhaftierten Journalisten Adil Demirci (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Prozess in der Türkei Adil Demirci hofft auf Freiheit

Stand: 14.02.2019 10:59 Uhr

Seit April 2018 sitzt der Kölner Adil Demirci in einem türkischen Gefängnis. Heute geht sein Prozess wegen Terrorunterstützung weiter. Sein Anwalt hofft auf Freilassung, weil keine Fluchtgefahr bestehe.

Von Marion Sendker, ARD-Studio Istanbul

Das Hochsicherheitsgefängnis in Istanbul: Hier sitzen Mörder, Räuber, Journalisten und Menschen, die sich in den Augen des türkischen Staats politisch kritisch geäußert haben. So wie der Kölner Sozialarbeiter und Journalist Adil Demirci.

Der Richter hatte die Untersuchungshaft am ersten Prozesstag im November nicht aufgehoben. Für das Gericht bestand Fluchtgefahr, weil Demirci zu dem Zeitpunkt in der Türkei keinen festen Wohnsitz hatte. Mittlerweile sei Demirci aber in Istanbul gemeldet, sagt sein Anwalt, Mustafa Peköz. Einer Freilassung stehe somit nichts mehr im Wege: "Wenn ich mir diesen Prozess als ein objektiver Jurist anschaue und ihn auswerte, dann erkenne ich keinerlei Grund für die Untersuchungshaft von Demirci. In den Akten finden sich keine Beweise, die eine U-Haft rechtfertigen."

Die falschen Beerdigungen

Beweise und juristische Argumente treten in der Türkei aber oft zurück, wenn es um Terror geht. Und für die türkische Staatsanwaltschaft ist Demirci ein Terrorist - oder zumindest einer, der Terroristen unterstützt. Als Begründung reicht da schon die Teilnahme an drei Beerdigungen von Politikern der Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP), die in der Türkei als Terrororganisation eingestuft ist.

Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft Demirci vor, dass er für die linke türkische Nachrichtenagentur Etha berichtete.

"Sie tankt für die restliche Woche Kraft"

Der Kölner wurde festgenommen, als er vor fast einem Jahr seine krebskranke Mutter auf einer Erholungsreise in die Türkei begleitete. Elif Demirci musste anschließend allein zurück nach Deutschland. Dort kämpft sie weiter gegen den Krebs und hofft, dass ihr Sohn Adil bald zurückkommt, sagt sein jüngerer Bruder, Tamer Demirci: "Man merkt, wie sie immer wieder schwächer wird. Das Schöne ist aber, dass wir einmal die Woche mit meinem Bruder telefonieren können und das tut ihr gut. Es tut ihr sogar besser als die Chemotherapie. Sie tankt so für die restliche Woche Kraft."

Prozess gegen Kölner Adil Demirci geht weiter
tagesschau 12:00 Uhr, 14.02.2019, Katharina Willinger, ARD Istanbul

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Mahnwache in Köln

Seit sein älterer Bruder in Istanbul festsitzt, veranstaltet Tamer jeden Mittwoch in Köln eine Mahnwache. Bei der fordert er Freiheit für Adil und andere Häftlinge.

Mutter Demirci hat deswegen Angst, noch einen Sohn an die türkische Justiz zu verlieren. Ihr zuliebe reist Tamer auch am zweiten Prozesstag nicht nach Istanbul. "Auch wenn nichts passiert, wird sie nicht ruhig bleiben können. Klar, es besteht allgemein für jeden Menschen, der kritisch ist, die Gefahr und das waren die Mahnwachen. Der Hauptgrund ist, dass ich kein Risiko eingehen möchte", sagt Tamer.

"Er hat etwas abgenommen"

Stattdessen reisen wie schon zum Prozessauftakt eine Gruppe Politiker und Unterstützer aus Deutschland nach Istanbul. Das bringe Öffentlichkeit, freut sich Tamer Demirci, und die brauche der Fall seines Bruders. Zwar setze sich auch die Bundesregierung ein, aber das reiche noch nicht: "Wenn die Bundesregierung es möchte, dann schafft sie es auch. Wenn sie da eine klarere Position einnähme, dann kann auch Adil ganz schnell wieder freigelassen werden."

Zehn Monate sitzt Adil Demirci im Gefängnis. Es gehe ihm dort immerhin ganz gut, sagt sein Anwalt Peköz. "Es geht ihm sogar besser, als ich dachte. Er hat etwas abgenommen, wirkt insgesamt aber fitter als vorher. Auch mental geht es ihm sehr gut, er glaubt fest an seine Freilassung. Er schreibt gerade seine Eindrücke über die Tage im Gefängnis auf. Ich habe ihm empfohlen, später in Deutschland ein Buch daraus zu machen."

Es wäre nicht der erste Bericht aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Istanbul. Der Journalist Deniz Yücel saß gut ein Jahr in Silivri und schrieb ein Buch über seine Zeit im größten Gefängnis Europas. Mehr als 11.000 Menschen sitzen in dem Mega-Bau hinter Gittern. Darunter auch einige Deutsche. Vielleicht ist es bald ja einer weniger.

Prozess Adil Demirci geht weiter
Marion Sendker, ARD Istanbul
14.02.2019 09:57 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 14. Februar 2019 um 05:37 Uhr.

Darstellung: