Ein Flugzeug der türkischen Luftwaffe | null

Luftraum über Idlib Türkei schießt syrische Kampfjets ab

Stand: 02.03.2020 06:16 Uhr

Türkische Soldaten haben Regierungsangaben zufolge zwei syrische Kampfflugzeuge über der syrischen Provinz Idlib abgeschossen. Die Flugzeuge hätten türkische Kampfjets angegriffen, hieß es zur Begründung.

Die Türkei hat nach eigenen Angaben in der Provinz Idlib zwei syrische Kampfflugzeuge abgeschossen. Das Verteidigungsministerium teilte mit, es handele sich um Flugzeuge des Typs SU-24 aus russischer Produktion.

Zur Begründung hieß es, die Flugzeuge hätten türkische Kampfjets angegriffen. Von dem Abschuss berichteten auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Die vier Piloten hätten sich mit Fallschirmen gerettet und seien sicher gelandet, hieß es weiter.

Luftraum über Idlib gesperrt

Die syrische Regierung hatte den Luftraum im Nordwesten des Landes gesperrt. Flugzeuge und Drohnen dürften insbesondere über Idlib nicht mehr fliegen, teilte die syrische Armee einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge mit. "Jedes Flugzeug, das unseren Luftraum verletzt, wird als feindlich eingestuft und abgeschossen."

Der Schritt folgte kurz nach dem mutmaßlichen Abschuss eines Kampfflugzeugs der syrischen Regierung. Von der Türkei unterstütze Rebellen erklärten, den Jet abgeschossen zu haben. Die syrische Armee bestritt dies und erklärte, statt des Flugzeugs sei eine türkische Drohne abgeschossen worden.

Militäroffenisve der Türkei

Am Donnerstagabend waren durch Angriffe der syrischen Regierung in der Provinz Idlib 36 türkische Soldaten getötet worden. Die Türkei hatte daraufhin massive Vergeltungsangriffe auf syrische Truppen gestartet. Mit der "Operation Frühlingsschild" geht die Türkei weiter gegen syrische Regierungstruppen in Idlib vor. Sie sei erfolgreich im Gange, teilte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge mit.

Ankara wolle eher auf Konfrontation zu syrischen Truppen als zu russischen gehen, erklärte Akar. Moskau müsse den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad überzeugen, sich auf die Frontlinien einer 2018 vereinbarten Waffenruhe am Rande von Idlib zurückzuziehen. Die Türkei habe mehr als 2200 syrische Soldaten, 103 Panzer und acht Hubschrauber "neutralisiert".

Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar | AP

Akar betonte, sein Land wolle keine Konfrontation mit Russland. Bild: AP

Erdogan warnt Russland und Syrien

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu telefonierte unterdessen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Nach einer Mitteilung des Außenministeriums in Moskau diente das Telefonat der Vorbereitung des Treffens zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Kremlchef Wladimir Putin in der kommenden Woche. Ziel sei die Schaffung einer Atmosphäre für einen "ergebnisorienten Dialog" der beiden Staatschefs zur Lösung des Konflikts in Syrien, teilte das Ministerium mit.

Moskau unterstützt Syriens Machthaber Baschir al-Assad militärisch. Assad führt seit Ende vergangenen Jahres zusammen mit Russland eine Offensive in der letzten Hochburg der Assad-Gegner in Idlib. Dort sind vor allem islamistische und dschihadistische Milizen aktiv, die teils von der Türkei unterstützt werden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuletzt scharfe Warnungen an Russland und Syrien gerichtet. In einem Telefonat mit Kreml-Chef Wladimir Putin am Freitag sagte er nach eigenen Angaben, Russland solle der Türkei in Syrien "aus dem Weg" gehen. Er drohte außerdem Syrien, dass es den "Preis zahlen" werde für den Tod der türkischen Soldaten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. März 2020 um 17:00 Uhr.