Türkische Kämpfer an einem Kontrollpunkt in der kurdischen Mehrheitsstadt Afrin im Nordwesten Syriens. | Bildquelle: AFP

Krieg in Syrien Türkische Armee rückt in Afrin ein

Stand: 18.03.2018 09:28 Uhr

Die türkische Armee und ihre Verbündeten sind in die syrische Stadt Afrin vorgedrungen. Sie hätten die Kontrolle des Stadtzentrums übernommen, sagte der türkische Präsident Erdogan. Die syrischen Kurden sprachen von anhaltenden Kämpfen.

Fast zwei Monate nach Beginn der Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordwestsyrien ist die türkische Armee in die Stadt Afrin vorgedrungen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verkündete die Eroberung des Stadtzentrums. "Einheiten der Freien Syrischen Kräfte, die von der türkischen Armee unterstützt werden, haben heute morgen um 8.30 Uhr (6.30 Uhr MEZ) die vollständige Kontrolle über das Stadtzentrum von Afrin übernommen", sagte Erdogan. Minenräumarbeiten dauerten an.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, dass türkische Soldaten und verbündete Rebellen zwei Bezirke der Stadt eingenommen hätten. "Die Kämpfe dauern an", sagte der Organisator der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Auch die syrischen Kurden verwiesen darauf, dass es weiter zu Kämpfen komme.

Angaben der mit Ankara verbündeten Rebellen zufolge, sind die Truppen "von Osten und Westen" in die Stadt vorgedrungen. Der Sender CNN Türk berichtete, türkische Einheiten seien vom Südosten aus in die Stadt eingedrungen. Einwohner versteckten sich in den Kellern, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Menschen fliehen aus der nordsyrischen Stadt Afrin | Bildquelle: AFP
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Angesichts der türkischen Offensive waren in den vergangenen Tagen Zehntausende Menschen aus Afrin geflohen.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Enge Verbindungen zur verbotenen PKK

In den vergangenen Tagen waren mehreren Angaben zufolge angesichts der türkischen Offensive Zehntausende Menschen aus Afrin geflohen. Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren es mehr als 200.000 Menschen, die die Stadt verlassen haben. Die YPG und die Beobachtungsstelle hatten zuletzt gemeldet, dass türkische Kampfflugzeuge das wichtigste Krankenhaus von Afrin getroffen und dabei viele Menschen getötet hätten. Das türkische Militär dementierte den Angriff.

Die Türkei hatte den Militäreinsatz gegen die YPG am 20. Januar begonnen. Sie sieht die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als Terrororganisation. Die PKK steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste. Die YPG dagegen ist wichtiger Partner der USA im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte gedroht, nach Afrin auch Manbidsch und andere Städte in der Region anzugreifen. Ziel ist auch, dass sich kein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet.

Türkisches Militär und FSA-Kämpfer melden Kontrolle über Afrin
Michael Lehmann, ARD Istanbul
18.03.2018 12:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. März 2018 um 09:00 Uhr.

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