Der türkische Präsident Erdogan | Bildquelle: REUTERS

Strafen für TV-Sender Sendepause nach Erdogan-Kritik

Stand: 27.12.2018 21:33 Uhr

Zwei TV-Programme haben den türkischen Präsidenten Erdogan kritisiert. Während der sich ärgert, reagiert die Rundfunkbehörde prompt: Für FOX TV und Halk TV gibt es Sendepausen. Zudem müssen sie Geldstrafen zahlen.

Wegen Kritik an Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die türkische Rundfunkbehörde zwei Fernsehsender mit Strafen belegt. Das Nachrichtenprogramm des prominenten Moderators Fatih Portakal auf dem Sender Fox TV werde für drei Sendungen gesperrt, berichtete die Zeitung "Hürriyet" unter Berufung auf die Rundfunkbehörde (RTÜK).

Ein Programm des oppositionellen Senders Halk TV dürfe fünf Mal nicht ausgestrahlt werden, ein weiteres Programm des Senders werde für drei Sendungen gesperrt, heißt es. Außerdem müssten Fox TV und Halk TV Geldstrafen zahlen.

Erdogan verweist Moderator in seine Grenzen

Im Falle des Senders Fox TV stößt sich RTÜK an einer Aussage des Moderators Portakal. Er hatte angesichts steigender Gaspreise in seiner Nachrichtensendung die Frage gestellt, ob sich wegen des politischen Drucks überhaupt jemand auf die Straße trauen würde, um friedlich dagegen zu protestieren. "Los, lasst es uns machen. Können wir das etwa? Wie viele Menschen würden sich wohl trotz Angst auf die Straße trauen?", fragte er.

Erdogan kritisierte den Moderator, dessen Nachname "Orange" bedeutet, vergangene Woche daraufhin scharf, ohne ihn bei vollem Namen zu nennen. Der Präsident sprach lediglich von einer "Orange" oder "Zitrusfrucht", die zum Protest aufrufe. "Wenn Du nicht aufpasst, dann wird Dir das Volk einen Nackenschlag verpassen", drohte Erdogan. "Über das Volk kann man sich nicht lustig machen."

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: dpa
galerie

Präsident Erdogan kritisierte den Moderator scharf - und drohte ihm indirekt.

Angst vor Selbstjustiz

Türkische Oppositionelle sahen dahinter eine versteckte Anweisung Erdogans an die Justiz, gegen Portakal vorzugehen. Journalistenkollegen fürchteten sogar, Erdogan-Anhänger könnten eine Art Selbstjustiz verüben.

Portakal selbst antwortete in seiner Show zu Erdogans Bemerkung: "Wir berichten hier nur über die wahren Probleme des Landes, so dass die Zuständigen darauf aufmerksam werden und etwas dagegen unternehmen. Und wir haben große Probleme." Doch die wird er vorerst nicht thematisieren können.

Ermittlungen gegen zwei Schauspieler

Auch der Sender Halk TV wurde bestraft - unter anderem wegen kritischer Äußerungen der Schauspieler Metin Akpinar und Müjdat Gezer. Gegen die beiden laufen auch Ermittlungen wegen Beleidigung Erdogans und sie dürfen die Türkei nicht verlassen.

Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Der Fall Portakal ? Sendeverbot für die "Orange"
Karin Senz, ARD Istanbul
28.12.2018 06:05 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Dezember 2018 um 13:00 Uhr.

Darstellung: