Alexis Tsipras

Griechischer Linksradikaler Tsipras in Berlin Der "Wutfänger" auf Feldzug gegen die Sparpolitik

Stand: 22.05.2012 09:28 Uhr

Sein Ziel hat Alexis Tsipras fest im Blick: Nach den Neuwahlen in Griechenland im Juni will er mit seinem linksradikalen Bündnis Syriza die Regierung übernehmen - und dann den mit der EU ausgehandelten Sparkurs aufkündigen. Heute wirbt Tsipras bei der Linkspartei in Berlin für seine Pläne.

Thomas Bormann ARD-Studio Istanbul

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Alexis Tsipras ist 37 Jahre jung und gleichzeitig Politprofi mit viel Erfahrung. Schon vor 20 Jahren führte er einen Schüleraufstand gegen eine Bildungsreform an. Er galt damals als einer der besten Redner, den die Kommunistische Jugend zu bieten hatte. Dieses Talent setzt Tsipras jetzt ein für seinen Feldzug gegen die Sparpolitik, die Griechenland zerstört, wie er sagt. Sein Bündnis der Radikalen Linken, abgekürzt Syriza, vervierfachte bei der Wahl am 6. Mai seinen Stimmenanteil auf fast 17 Prozent.

Alexis Tsipras

Syriza-Chef Tsipras will das Sparpaket wieder aufschnüren.

Bei der kommenden Wahl in vier Wochen will Syriza stärkste Partei werden: "Wir rufen das griechische Volk auf, jetzt nicht nachzugeben. Der Sieg ist noch nicht da. Aber der Sieg ist zum Greifen nah am 17. Juni. Wir wollen den Auftrag des Volkes für eine linke Regierung, einen Auftrag des Volkes, um die Sparpolitik zu stoppen, damit wir noch Hoffnung haben können."

Tsipras verspricht den Menschen das Blaue vom Himmel

Alexis Tsipras ist ein "Wutfänger", sagt ein griechischer Journalist. Er gibt der Wut Hunderttausender Griechen eine Stimme, die ihre Arbeit verloren haben, die sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können, die keine Hoffnung mehr haben. Tsipras verspricht ihnen das Blaue von Himmel: Wir bleiben im Euro; zahlen aber die griechischen Staatsschulden nicht zurück - und wir machen Schluss mit der Sparpolitik. Das heißt: Löhne und Renten sollen wieder steigen, Entlassene bekommen ihre Posten zurück und die Steuern sollen sinken, auch wenn die Vorgängerregierung mit den Kreditgebern von EU und Internationalem Währungsfonds anderes vereinbart hat. Das gilt nicht mehr, sagt Tsipras: "Das Volk hat entschieden: die Vereinbarungen über Spar- und Rettungsmaßnahmen sind null und nichtig."

Alexis Tsipras und Martin Schulz

Die Eurozone bestehe nicht "aus Besitzern und Mietern", sagte Tsirpas bei einem Treffen mit Europaparlaments-Präsident Schulz.

Ein anderer Wind in Europa?

Tsipras will das komplette Rettungsprogramm für sein Land mit der EU neu aushandeln. Das sei jetzt möglich, denn nach dem Wahlsieg der Linken in Frankreich wehe ein anderer Wind in Europa, sagt er, der im Wahlkampf nicht nur gegen die Chefs der beiden bisherigen Regierungsparteien stichelt, sondern auch gegen die deutsche Bundeskanzlerin und gegen die Chefin des Währungsfonds: "Die Sparprogramm-Parteien, vor allem Herr Samaras und Herr Venizelos, haben all unsere Vorschläge abgewiesen, weil sie nur ihren Verpflichtungen gegenüber Frau Merkel und Frau Lagarde treu sind."

Tsipras hat mit seinem Feldzug gegen die Sparpolitik eines bereits erreicht: Auch die bisherigen Regierungsparteien Nea Demokratia und Pasok betonen in ihrem Wahlkampf, wie sie die Sparpolitik so schnell wie möglich in eine Wachstumspolitik umwandeln wollen.