Das ukrainische Atomkraftwerk in Tschnernobyl | AFP

Krieg gegen die Ukraine Fast alle Truppen um Tschernobyl abgezogen

Stand: 31.03.2022 20:54 Uhr

Auf dem Gelände des früheren Atomkraftwerks Tschernobyl befinden sich nach Angaben des staatlichen Betreibers nur noch einige wenige russische Soldaten. Die abgezogenen Truppen seien in Richtung der Grenze zu Belarus aufgebrochen.

Fünf Wochen nach ihrer Einnahme der Atomruine Tschernobyl haben die russischen Truppen mit dem Abzug aus dem Sperrgebiet im Norden der Ukraine begonnen. "Heute Morgen haben die Invasoren ihre Absicht erklärt, das Atomkraftwerk Tschernobyl zu verlassen", teilte der ukrainische Atomenergiekonzern Energoatom im Messengerdienst Telegram mit. Die russischen Soldaten würden nun "in zwei Kolonnen in Richtung der ukrainisch-belarussischen Grenze marschieren". Eine "kleine Zahl" an russischen Soldaten befinde sich aber weiterhin in dem Atomkomplex.

Russische Soldaten wohl auf Weg in Richtung Belarus

Darüber hinaus gebe es "Belege, dass derzeit eine Kolonne aus russischen Soldaten, welche die Stadt Slawutytsch belagern, gebildet wird, die sich nach Belarus bewegen soll". Slawutytsch liegt in der Nähe von Tschernobyl. In der Stadt nahe der belarussischen Grenze sind die Techniker untergebracht, die im stillgelegten AKW Tschernobyl arbeiten. 

Energoatom bestätigte Berichte, denen zufolge russische Soldaten Gräben im Wald in der sogenannten Ausschlusszone ausgehoben hätten und dabei "erhebliche Strahlendosen" abbekamen. Bei ersten Krankheitsanzeichen, die schnell aufgetreten seien, seien sie in Panik geraten und bereiteten den Abzug vor. Für die Angaben von Energoatom ist keine unabhängige Bestätigung zu erhalten.

Energoatom zufolge unterzeichnete das russische Militär ein Dokument, in dem die Übergabe des Atomkraftwerks bestätigt wurde. Der Betreiber veröffentlichte diese Informationen auf Telegram. Bereits gestern hatte das US-Verteidigungsministerium von einem Rückzug der russischen Streitkräfte aus der Zone um die Atomruine gesprochen.

Stromversorgung mehrfach unterbrochen

Die russischen Streitkräfte hatten am 24. Februar, dem ersten Tag ihres Angriffs auf die Ukraine, die Kontrolle über die Atomruine von Tschernobyl übernommen. Angesichts des erbitterten Widerstands der ukrainischen Armee geriet die russische Offensive rasch ins Stocken.

Im AKW Tschernobyl hatte sich 1986 das schlimmste Atomunglück der Geschichte ereignet. Hunderte Menschen starben, die Radioaktivität breitete sich über weite Teile Europas aus. Das Kraftwerk ist seit Jahren stillgelegt, ein riesiger Schutzmantel soll den Austritt von Radioaktivität verhindern. Seit dem russischen Einmarsch war die Stromversorgung der Atomruine mehrfach unterbrochen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. März 2022 um 17:00 Uhr.