Blick auf die Schutzhülle, die später auf Schienen über den Unglücksreaktor gezogen werden soll | Bildquelle: dpa

Schutzhülle soll Reaktor versiegeln Ein neuer Sarg für die Tschernobyl-Ruine

Stand: 14.11.2016 16:21 Uhr

Sie soll das weltgrößte bewegliche Bauwerk an Land sein: die neue Schutzhülle für die Ruine des 1986 explodierten Atomkraftwerks Tschernobyl. Es wird dauern, bis der mehr als 30.000 Tonnen schwere Sarg die Ruine versiegelt. Und dann ist alles gut?

Von Birgit Virnich, ARD-Studio Moskau

Die ersten sechs Meter sind geschafft. Es wird Tage dauern, bis die neue Schutzhülle endlich den alten Betonsarkophag von Tschernobyl abdecken wird. Auf Gleitschienen wird der neue Schutzmantel vorsichtig über den maroden Sarkophag geschoben. Der 100 Meter hohe Stahlbogen, mehr als 30.000 Tonnen schwer, ist das größte bewegliche Bauwerk auf dem Land.

Es ist so konstruiert, dass es den alten Betonsarkophag versiegelt, den man 1986 nach der Kernschmelze eilig um den havarierten Atommeiler von Tschernobyl errichtet hatte. So soll verhindert werden, dass weitere Strahlung aus dem havarierten Atommeiler austritt. "Eine jahrzehntelange Herausforderung. Ein bisher beispielloser Erfolg der Ingenieurskunst", sagt Vince Novak von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. "Eine unglaublich komplexe Konstruktion, die noch dazu in einer kontaminierten Gegend errichtet werden musste." Mehr als 40 Staaten ermöglichten dieses Mammutprojekt unter Federführung der Bank.

Die Stahlkonstruktion soll die Tschernobyl-Ruine versiegeln. | Bildquelle: dpa
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Die Stahlkonstruktion soll die Tschernobyl-Ruine versiegeln. Schutz für immer bietet sie aber nicht.

Mit ferngesteuerten Kränen soll anschließend der Atommüll aus dem Reaktor geholt und das ehemalige AKW-Gebäude abgerissen werden. In der Anlage befinden sich noch 20.000 Brennstäbe, etwa 200 Tonnen Uran. 

Der alte Sarkophag droht einzustürzen

Es war  eine Frage der Zeit, wann der verrostete Sarkophag um den zerstörten Reaktor, den die marode Sowjetunion 1986 mit letzter Kraft errichtete, einstürzen würde. Viele der Maßnahmen, die nach dem Unfall eingeleitet wurden, wurden sehr schnell und nicht sehr planmäßig durchgeführt.

30 Jahre Reaktorkatastrophe Tschernobyl:  Zerstörter Reaktor | Bildquelle: AP
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Zwei Explosionen zerstören den Meiler am 26. April 1986, vermutlich ausgelöst durch riesige Mengen Wasserstoff. Das Dach stürzt ein, eine radioaktive Wolke verbreitet sich über Europa.

Nachdem man zunächst tagelang versucht hatte den atomaren Unfall zu vertuschen, konnte die Sowjetführung den Super-GAU irgendwann nicht mehr verheimlichen. 120.000 Menschen wurden hastig evakuiert. Erst als Bilder des havarierten Atommeilers im Fernsehen auftauchten, wurde das Ausmaß der Katastrophe klar. Ein Räumkommando von sogenannten Liquidatoren sollten das Schlimmste abwenden und atomare Schlacke wegräumen. Die meisten von ihnen starben an den Folgen. Alexei Breus war damals auf dem Weg zur Arbeit, als er merkte, dass der Reaktor explodiert war. Er war damals einer der Hauptingenieure, der den vierten Block betrieb. "Damals glaubten wir alle, auch ich, dass dieser Reaktor sicher war", erzählt er. "Wir waren überzeugt, dass ein sowjetischer Reaktor nicht explodieren konnte. Das war ein Fehler, wie sich später herausstellte."

Die neue Stahlhülle schützt nicht für immer

Politisch läutet der Super-GAU das Ende der Sowjetunion ein. Mit letzter Kraft errichtete die marode Sowjetunion eine Schutzhülle um den zerstörten Reaktor. Doch die Strahlung, die von diesem Areal ausgeht, ist noch lange nicht gebannt. Tschernobyl bleibt der Ort, der vor allem die Europäer das Fürchten vor der Atomkraft hätte lehren sollen.

Tschernobyl heute | Bildquelle: AFP
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Mit einer 108 Meter hohen Stahlhülle um den rissigen Betonsarkophag soll die Umgebung von Tschernobyl 100 Jahre lang vor Strahlung geschützt werden.

Doch auch die neue stählerne Hülle wird die Außenwelt nur für höchstens 100 Jahre vor der Ausbreitung des immer noch hoch radioaktiven Staubs bewahren. In der zehn Kilometer weiten Sperrzone wird man wohl nie wieder leben können.

"Bisher gibt es keinen Plan und keine Finanzierung für den Abbau des alten Meilers und für die Bergung des radioaktiven Materials", erklärt Tatjana Werbytskaja, Ukrainisches Zentrum für Nuklearsicherheit. Denn selbst wenn die Hülle über dem Block liege, sei der Ort ja noch lange nicht dekontaminiert. Und ein schönes grünes Feld werde es dort nie wieder geben.

Animation: Schutzhülle soll Reaktor versiegeln
tagesschau 20:00 Uhr, 14.11.2016

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"Wir und ganz Europa, sollten von Deutschland lernen", meint sie. Für sie steht fest, die Abhängigkeit von Atomenergie müsste reduziert werden. Doch für die Ukraine ist das im Augenblick nicht umsetzbar, weil man sich zunächst aus der Abhängigkeit von Russlands Gas lösen will.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. November 2016 um 17:00 Uhr.

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